Dienstag, 29. Juni 2004

NATO-Gipfel in Istanbul: Afghanistans Präsident Karsai dankt Bündnis für Hilfe

  • Bringt Bevölkerung "ein Gefühl besserer Sicherheit"
  • Gleichzeitig fordert er Eile bei Truppenverstärkung

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat der NATO für die geplante Ausweitung ihres Engagements in seinem Land gedankt. Nach einer Begegnung mit Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte Karzai, dessen Regierung mit ausländischer Hilfe de facto nur den Großraum Kabul kontrolliert, am Dienstag am Rande des NATO-Gipfels in Istanbul, die zusätzliche Truppenentsendung werde für die Durchführung der auf September verschobenen allgemeinen Wahlen hilfreich sein. Diese Verstärkung solle aber schnel erfolgen, so der Präsident.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die NATO zur Eile bei der geplanten Truppenverstärkung in seinem Land gedrängt. Als Gast beim NATO-Gipfel in Istanbul appellierte Karzai am Dienstag an die Bündnisstaaten, ihre Truppen deutlich vor den für Ende September geplanten Wahlen aufzustocken. "Bitte beeilen sie sich!", rief er den Staats- und Regierungschefs der Allianz zu. In den nächsten Monaten sollen bis zu 10.000 Soldaten für den Einsatz zur Verfügung stehen. Derzeit sind rund 6.300 ISAF-Soldaten aus 36 Ländern in Afghanistan stationiert; nicht alle der zusätzlichen Einheiten werden sofort nach Afghanistan geschickt, einige sollen auf Abruf bereit stehen.

Am Montag hatte die NATO beschlossen, den Wahlprozess in Afghanistan mit zusätzlichen Soldaten abzusichern. Grund ist die Sorge vor einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage. Karzais Regierung kontrolliert mit ausländischer Hilfe de facto nur den Großraum Kabul.

Karzai sagte, Terrorismus, Privatarmeen und Drogenhandel seien die größten Bedrohungen für sein Land.

Wählerregistrierung läuft nach Plan
Die NATO-Entscheidung bringe der Bevölkerung in Afghanistan "ein Gefühl besserer Sicherheit", meinte Karzai.

Nach Angaben des Präsidenten sind bereits rund 5,2 Millionen der über zehn Millionen Wähler registriert. Mit diesem Stand der Registrierung sei eine Wahl möglich. Die durch die US-Militärintervention entmachteten Taliban hatten wiederholt systematische Wahlsabotage angekündigt und ihre Landsleute, die von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen sollten, mit dem Tod bedroht. Eine Registrierung sei "gleichbedeutend mit Versklavung durch die USA", hatten die Taliban erklärt. Die Vereinten Nation hatten gewarnt, der September-Wahltermin sei unrealistisch, wenn sich die Sicherheitslage nicht deutlich verbessere. In jüngster Zeit ist die Zahl der Angriffe von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern besonders im Osten und Süden des Landes gestiegen.
(apa)

29.6.2004 08:54