Montag, 28. Juni 2004

Verwirrung um Terroristen-Chef Zarqawi: US-General dementiert Festnahme!

  • Wieder zwei US-Geiseln mit Enthauptung bedroht
  • Ultimatum an die drei türkischen Geiseln läuft ab

Der amerikanische Militärsprecher Mark Kimmitt hat am Montag die angebliche Festnahme des jordanischen Top-Terroristen Abu Mussab al Zarqawi im Irak dementiert. Das berichteten die Sender Al Jazeera und Al Arabiya, die kurz zuvor unter Berufung auf Kimmitt gemeldet hatten, Zarqawi sei in der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Hillah gefasst worden. "Wir haben die Berichte gehört, aber sie stimmen nicht." Unterdessen haben Aufständische im Irak erneut mit der Enthauptung zweier US-Geiseln gedroht.

"Das ist nicht wahr, die Berichte stimmen nicht", sagte Kimmitt telefonisch der Nachrichtenagentur Reuters. Der in Jordanien geborene Zarqawi führt eine Gruppe von islamistischen Extremisten an, die Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida haben soll.

Die Gruppe Jama'at al-Tawhid wa al-Jihad ("Glaube an den einzigen Gott und Heiliger Krieg") hat sich zu zahlreichen Selbstmord-Anschlägen bekannt und wird für die Entführung und Ermordung mehrerer Geiseln verantwortlich gemacht. Die USA haben ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen Dollar (8,24 Mill. Euro) auf Zarqawi ausgesetzt.

Wieder zwei Personen entführt
Im Irak droht zwei US-Amerikanern die Enthauptung. Einer der Entführten soll für ein US-Unternehmen arbeiten, der andere soll ein US-Marineinfanterist sein. Erst am Samstagabend hatten Anhänger des mutmaßlichen Terroristenführers Abu Mussab al Zarkawi gedroht, binnen drei Tagen drei türkische Geiseln zu enthaupten. Angesichts der anhaltenden Anschläge und Entführungen schließt der designierte Regierungschef Iyad Allawi eine Verschiebung der geplanten Wahl nicht mehr aus.

Die US-Streitkräfte im Irak bestätigten am Montag, dass ein Marineinfanterist bereits seit fast einer Woche bei seiner Einheit vermisst wird. Ob es sich dabei um die Geisel in Händen irakischer Aufständischer handele, die in Videobildern zu sehen ist, sei aber noch nicht klar, hieß es am Montag. Der arabische Sender Al Jazeera hatte zuvor am Sonntagabend ein Video ausgestrahlt, dass einen Marineinfanteristen in der Hand von Geiselnehmern zeigen soll. Die Gruppe fordere die Freilassung aller Iraker aus "Okkupationsgefängnissen", ansonsten werde die Geisel getötet.

Ultimatum für türkische Geiseln läuft ab
Das Ultimatum mit der Todesdrohung gegen drei türkische Geiseln läuft offenbar am Dienstag ab, dem letzten Tag des NATO-Gipfels in Istanbul. Zarkawis Gruppe hat sich auch schon zu der Enthauptung der US-Geisel Nicholas Berg und des Südkoreaners Kim Sun Il bekannt.

Bei einem Raketenangriff wurden am Sonntagabend in Bagdad zwei Kinder getötet. Sie seien beim Spielen am Ufer des Tigris getroffen worden, teilte das irakische Innenministerium mit. Einem weiteren Angriff im Südosten der Stadt fiel ein US-Soldat zum Opfer. In der Früh waren nach amerikanischen Angaben in der Grünen Zone, in der die wichtigsten Einrichtungen der US-Besatzungsbehörde liegen, drei Raketen eingeschlagen.

Flugzeug in Bagdad beschossen
Ein Transportflugzeug wurde am Sonntag beim Start vom Flughafen in Bagdad beschossen. Dabei wurde eine Person an Bord getötet. Zu den Einzelheiten lagen widersprüchliche Berichte vor. Nach australischen Angaben handelte es sich um eine Maschine der Australischen Luftwaffe und bei dem Opfer um einen US-Passagier. Nach ersten US-Angaben war es eine US-Maschine. Sie kehrte auf den Flughafen zurück.

Bei Explosionen in der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Hilla kamen am Wochenende 23 Menschen ums Leben. Weitere 58 Menschen wurden verletzt. Die Detonationen, die sich in der Nähe einer Moschee ereigneten, wurden den Angaben zufolge möglicherweise von zwei Autobomben ausgelöst.

Allawi erklärte zur Lage im Irak, seine Regierung strebe zwar wie in der Übergangsverfassung vorgesehenen an, Wahlen bis spätestens 31. Jänner abzuhalten. Dies hänge jedoch von der Sicherheitslage ab. Allawi kündigte zudem in der britischen Zeitung "The Independent" ein Programm zur nationalen Versöhnung an. Damit solle auch Irakern eine Amnestie gewährt werden, die sich zwar am Widerstand beteiligt, aber keine Verbrechen begangen hätten, erklärte Allawi.
(apa/red)

28.6.2004 07:11