Montag, 28. Juni 2004

Konzentration auf Gewerkschaftsarbeit: Rudolf Nürnberger verlässt das Parlament

  • Nach 20 Jahren nahm der Metallerchef Abschied
  • Ulli Sima (SPÖ) vom National- in den Stadtrat

Einer der profiliertesten Parlamentarier tritt ab. Nach 20 Jahren im Nationalrat nahm Metallerchef Rudolf Nürnberger (58/5.9.1945) Montagnachmittag am Schluss der Sondersitzung Abschied vom Hohen Haus. Mit dem Vorsitzenden der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter verliert der SPÖ-Klub einen seiner besten und authentischsten Redner. In der Gewerkschaft wird seine Stimme aber weiter zu hören sein. Nürnberger wird sich von nun an voll auf die geplante Großfusion mit GPA, Druckern und Chemiearbeitern konzentrieren.

Nürnberger ergriff im Hohen Haus nicht übermäßig oft das Wort. Wenn es aber so weit war, konnte er sich der Aufmerksamkeit des Plenums sicher sein. Nie war der Metaller-Chef bemüht, mit Hochdeutsch zu brillieren. Ganz im Gegenteil sprach er in teils breitem Dialekt und klaren Worten, wie es dem Bild des Gewerkschafts-Vorsitzenden durchaus entspricht. Und er konnte die politischen Gegner damit zur Weißglut treiben, etwa als er bei der ÖGB-Menschenkette ums Parlament den tobenden VP-Klub mit seinem damaligen Chef Andreas Khol geradezu vorführte.

Nürnbergers gewichtiges Wort
Das Parlament war bei Nürnberger aber eher nur Nebenschau-Platz. Bei allen wichtigen Entscheidungen, die in der SPÖ während der letzten Jahrzehnte getroffen wurden, war der Metaller-Chef, der seit 1988 seine Gewerkschaft anführt, dabei. Ob es um die Kür von Parteivorsitzenden, Vorgänge in der Gewerkschaft oder aber auch Regierungsverhandlungen ging, Nürnbergers Wort zählte immer.

Nur Freunde brachte ihm diese Machtposition freilich nicht ein. Nürnberger wird von der ÖVP zumindest nach außen hin bis heute für das Scheitern der rot-schwarzen Regierungsverhandlungen im Jahr 2000 verantwortlich gemacht. Schließlich hatte der FSG-Chef dem Koalitionspakt seine Unterschrift verweigert - freilich nicht ohne davor in den eigenen Reihen die Lage auszuloten. Und die Gewerkschaftsbasis sagte damals ein eindeutiges Nein zum letztlich gescheiterten Klima/Schüssel-Papier.

Auch in Gewerkschaft nicht unumstritten
Aber auch in der Gewerkschaft ist der manchmal aufbrausende Nürnberger alles andere als unumstritten. Mit seinem jetzigen Fusions-Partner, Privatangestellten-Chef Hans Sallmutter, pflegt der Metaller-Vorsitzende seit Jahren eine innige Feindschaft. Und auch ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch soll in internen Sitzungen nicht nur einmal erzittert sein, wenn Nürnberger zu einer Brandrede anhob. Kritik nach außen gibt es vom medienscheuen Nürnberger freilich selten, für umso mehr Aufsehen sorgt er, wenn er einmal öffentlich seinen Gewerkschaftskollegen die Leviten liest, wie es sowohl Sallmutter als auch Verzetnitsch in den letzten Jahren passiert ist. In Parteifragen hat sich Nürnberger meist zurückgehalten. Derzeit gilt die volle Loyalität seinem langjährigen Freund Alfred Gusenbauer.

Die absolute Nummer eins ist Nürnberger, Vater eines erwachsenen Sohns und verheiratet, in der eigenen Gewerkschaft, die ihn vergangene Woche mit mehr als 98 Prozent Zustimmung als Vorsitzenden wieder gewählt hat. Einer der Gründe dafür ist, dass er es immer wieder verstanden hat, einerseits die Reihen dicht zu halten und andererseits, dass es ihm stets gelungen ist, ordentliche Lohnabschlüsse für die Branche zu schaffen. Sein umsichtiges Vorgehen bei den KV-Verhandlungen hat Nürnberger auch den Respekt der Arbeitgeber-Seite eingebracht. (apa/red)

28.6.2004 12:58