Sonntag, 27. Juni 2004

Völler-Nachfolge: Poker um Hitzfeld wird heiß, doch Daum lauert im Hintergrund

  • Beckenbauer kündigt aber bereits Widerstand an
  • DFB-Präsidium: "Telefonate werden geführt"

Der Poker zwischen dem deutschen Bundestrainer-Topfavoriten Ottmar Hitzfeld und DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder tritt in die entscheidende Phase. Nach einer ersten Kontaktaufnahme soll es offenbar noch während der Fußball-EM in Portugal zu einem Treffen kommen, bei dem die Bedingungen für eine Verpflichtung des ehemaligen Bayern-Trainers als Nachfolger von Rudi Völler abgeklärt werden sollen.

"Telefonate werden geführt", sickerte am Wochenende aus Kreisen des Verbands-Präsidiums durch, während Hitzfeld nach außen große Zurückhaltung übte. Mayer-Vorfelder, der die Trainersuche zur "alleinigen Chefsache" erklärt und offiziell eine Nachrichtensperre verhängt hat, wird in der kommenden Woche von der portugiesischen Hauptstadt aus die Fäden ziehen, nachdem er bis Sonntag weiterhin aus dem deutschen EM-Quartier in Almancil handelte. Ab Dienstag ist der Verbandschef in Lissabon, wo die UEFA-Exekutive tagt.

Hitzfeld stellt Bedingungen
Dass Hitzfeld selbst seine Entscheidung für den DFB am Wochenende in der "Welt am Sonntag" als "sehr, sehr offen" bezeichnete und die Wahrscheinlichkeit eines DFB-Engagements bei "weniger als 50 Prozent" ansetzte, kann wohl als Teil des Pokers verstanden werden. Einige Bedingungen hat der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer schon formuliert: "Wenn ich das mache, dann nur mit Michael Henke. Zu ihm habe ich ein absolutes Vertrauensverhältnis", sagte Hitzfeld. Zudem müsse über Konzepte und Personalien diskutiert werden.

Jens Nowotny berichtete im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) von einer weiteren Gesprächsrunde in Almancil. Einige Nationalspieler, die nicht mit der Mannschaft nach Hause gereist waren, hatten im Beisein Mayer-Vorfelders die Trainerfrage diskutiert. Dabei fiel auch der Name Daum. "Er war mit der beste Trainer, unter dem ich gearbeitet habe. Wir sind eine Gesellschaft, in der man sagt, jeder sollte eine zweite Chance kriegen", sagte Nowotny zu Daum, der vor vier Jahren wegen seiner Kokain-Affäre das Amt des Bundestrainers nicht antreten konnte. Jan Lengerke, Mayer-Vorfelders persönlicher Referent, ließ durchblicken, dass der Ex-Austria-Wien-Trainer zumindest wieder zur Diskussion steht: "Er ist ein hervorragender Trainer. Seine Fehler liegen in anderen Bereichen."

Widerstand gegen Daum
Schon die Idee, Daum zum Kandidaten zu erklären, rief bereits Widerstand einiger einflussreicher Fußball-Funktionäre hervor. So kündigte Beckenbauer seine Einflussnahme als Bayern-Präsident und DFB-Präsidiumsmitglied an: "Ich werde meinen Senf dazu geben." Hitzfeld sei die "einzige Alternative", unterstrich der "Kaiser".
(apa/red)

27.6.2004 15:30