Sonntag, 27. Juni 2004

"Das war der größte Moment meines Lebens": Robben neuer Held der Oranjes

  • Roy Makaay: "Haben es verdient, mal so zu gewinnen"
  • Kapitän de Boer ist für das Halbfinale fraglich

Niederländer können doch Elfmeterschießen! Nach vier verlorenen Elferschießen in Serie (EM 1992,1996, 2000 und WM 1998) hat die holländische Fußball-Nationalmannschaft am Samstag im EM-Viertelfinale gegen Schweden das Trauma besiegt. Nun haben die "Oranjes" stattdessen den EM-Traum vor Augen. Selbst der bisher so geschmähte Trainer Dick Advocaat durfte bei der orangen Partie kräftig mitjubeln.

Neuer Volksheld ist aber Arjen Robben, der den entscheidenden Penalty zum 5:4-Sieg verwertete. "Das war der größte Moment meines Lebens", jubelte der erst 20-jährige PSV-Eindhoven-Stürmer.

Der Elfmeter-Krimi war für die "Oranjes" Höhepunkt einer erstaunlichen Wandlung vom zerstrittenen Haufen zur harmonischen Zweckgemeinschaft. "Es ist eine riesige Erleichterung. Wir haben zuletzt so oft versagt", meinte Topstürmer Ruud van Nistelrooy. Nach Wochen des internen Streits meinte auch Advocaat: "Die Atmosphäre innerhalb des Kaders ist großartig - jeder will für jeden alles geben." Selbst Stars wie Roy Makaay, in Portugal ein Edel-Joker, raunzen nicht: "Van Nistelrooy spielt im Moment einfach fantastisch. Ich bin zufrieden."

Mentaltraining vor dem Match
Diesmal überließen die Niederländer nichts dem Zufall. Mit der kollektiven Lektüre eines Buches über Mentaltraining bereitete Advocaat seine Spieler auf die Nervenprobe vor. Den Titel seines "Geheimrezeptes" wollte er aber nicht Preis geben. "Es ist ein niederländisches Buch, kein englisches", konnte er sich nur einen Seitenhieb auf die in Portugal im Gegensatz zur "Elftal" nicht von ihrem Elfer-Fluch befreiten Briten nicht verkneifen. Und die Holländer lernten sogar aus dem Pech der Engländer, die nicht nur mit den Nerven, sondern auch mit dem Elfmeterpunkt zu kämpfen hatten. "Wir haben uns den Elfmeterpunkt im Training ganz genau angesehen", berichtete van Nistelrooy.


Der größte Sieger bei den Niederlanden heißt nun vorerst doch Dick Advocaat. Mit seiner Taktik, auf die Routiniers Edgar Davids, Clarence Seedorf und Frank de Boer statt der Jungstars Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart oder Johnny Heitinga zu setzen, hat er Ruhe ins traditionell zerstrittene Team gebracht. Die derbe Kritik an ihm ist vorerst verstummt. Weder Fußball-Ikone Johan Cruyff noch der verbale "Scharfschütze" Jan Mulder ("Es ist eine nationale Erleichterung") wagten weitere böse Worte, und auch Ex-Star Ruud Gullit dürfte seine Aussage über die Mannschaft ("Man kann aus einer Kuh kein Kaninchen machen") nochmals überdenken.

Im Halbfinale am Mittwoch gegen Gastgeber Portugal fehlen dürfte aller Voraussicht nach Kapitän Frank de Boer. Der Rekordnationalspieler zog sich gegen Schweden eine Verletzung im rechten Sprunggelenk zu. "Es sieht im Moment nicht gut aus", erklärte der 34-Jährige. Sollte de Boer nicht spielen können, dürfte Wilfred Bouma den Platz in der Innenverteidigung einnehmen.
(apa/red)

27.6.2004 14:05