Sonntag, 27. Juni 2004

Nach den Wahlen in Kanada: Neues Kabinett in Kanada nicht vor dem 19. Juli

  • Liberale Partei unter Premier Martin wird 135 Sitze haben
  • Die oppositionellen Konservativen stellen 99 Sitze

Der kanadische Ministerpräsident Paul Martin, dessen Liberale Partei bei den Parlamentswahlen am Sonntag ihre absolute Mehrheit verloren hat, will nach Angaben eines Beraters nicht vor dem 19. Juli sein neues Kabinett vorstellen. Belinda Stronach, Tochter von Magna-Boss Frank Stronach, hat bei den kanadischen Parlamentswahlen in ihrem Wahlkreis Newmarket-Aurora in der Provinz Ontario gewonnen. Die konservative Kandidatin kam auf 42,44 Prozent der Stimmen. Ihre liberale Mitbewerberin Martha Hall Findlay unterlag mit 41,07 Prozent knapp.

Am 19. Juli wird das offizielle Wahlergebnis verkündet. Martins Liberale werden im neuen Parlament wahrscheinlich noch 135 der 308 Sitze haben. Im alten Parlament verfügten sie über 168 Abgeordnete. Die oppositionellen Konservativen kommen auf 99 Sitze (plus 26). Die Neuen Demokraten könnten 19 Abgeordnete ins neue Parlament entsenden, der Bloc Quebecois des französisch- sprachigen Landesteils 54. Ein Abgeordneter zieht voraussichtlich als Unabhängiger ein.

Den Liberalen fehlt auch zusammen mit den ihnen nahe stehenden Neuen Demokraten eine Stimme an der Mehrheit, so dass Martin eine Minderheitsregierung bilden dürfte. Er rechne aber damit, dass diese Regierung stabil sein werde, sagte Martin.

Meinungsforscher hatten vor der Wahl damit gerechnet, dass die Liberalen und die vor sechs Monaten aus zwei rechtsgerichteten Parteien gebildeten Konservativen in etwa gleich stark werden würden. Das besser als erwartet ausgefallene Abschneiden der Liberalen bedeutet, dass die Neuen Demokraten und nicht der separatistische Bloc Quebecois die Rolle des Züngleins an der Waage spielen können.

Die Liberalen regieren Kanada - eines der sieben führenden Industriestaaten der Welt und Mitglied der G7 - seit mehr als zehn Jahren. Sie stehen derzeit in der Kritik, Regierungsaufträge bevorzugt an Firmen mit engen Verbindungen zur Partei vergeben zu haben. (apa)

27.6.2004 22:20