Sonntag, 27. Juni 2004

Anschlag auf Militärposten in Gaza: Ein israelischer Soldat getötet - vier verletzt

  • Angeblich Anschlag radikaler Palästinenser
  • Viele Menschen noch unter Trümmern verschüttet

Nach schweren Explosionen in einem Militärposten der israelischen Armee im Gaza-Streifen ist nach Angaben der israelischen Zeitung "Haaretz ein Soldat getötet worden. Kurz nach dem Anschlag wurden palästinensische Ziele beschossen. Dabei sollen zwei palästinensische Einwohner getötet und zwei weitere verletzt worden sein.

Nach palästinensischen Angaben feuerten Apache-Helikopter 13 Raketen auf Gaza-Stadt und drei auf die Ortschaft Chan Yunis. Es sei schwerer Sachschaden entstanden. In Gaza-Stadt seien Metallwerkstätten angegriffen worden, die laut Israel zur Waffenproduktion benutzt wurden. Mehrere Gebäude wurden zerstört, berichteten palästinensische Augenzeugen. Über mögliche Opfer wurde nichts bekannt.

Die israelische Armee habe als weitere Gegenmaßnahme die Abriegelung des Gazastreifens angekündigt. Israel habe den Gazastreifen erneut in drei von einander getrennte Zonen eingeteilt, berichtete ein Sprecher der palästinensischen Sicherheitskräfte.

Sowohl die radikal-islamische Hamas-Gruppe als auch die Al-Aksa-Brigaden, der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Yasser Arafat, bekannten sich zu dem Anschlag. Die Explosion ereignete sich an einer wichtigen Kreuzung am Eingang des Siedlungsblocks Gush Katif. Berichten zufolge hatten die Täter einen Tunnel gegraben, mit rund 150 Kilogramm Sprengstoff gefüllt und ihn unter der Armeestellung zur Explosion gebracht.

Am Abend wurden in Chan Yunis im südlichen Gazastreifen mindestens zwei palästinensische Einwohner getötet und drei weitere verletzt, als israelische Panzer das Gebiet unter Beschuss nahmen, sagten Ärzte und Augenzeugen. Nach Angaben der Bewohner hatten israelische Soldaten, die in der jüdischen Siedlung Neveh Dekalim westlich von Chan Yunis stationiert sind, plötzlich das Feuer eröffnet.

Nach einer israelischen Großrazzia in Nablus mit neun toten Palästinensern hatten die radikalen Al-Aksa-Brigaden am Sonntag blutige Rache angekündigt. Bei dem Militäreinsatz hatten israelische Soldaten am Vortag unter anderem einen der meist gesuchten Anführer der Palästinensergruppe sowie zwei örtliche Führer der Extremistengruppen Hamas und Islamischer Dschihad getötet.
(apa)

27.6.2004 21:39