Montag, 7. Juni 2004

"Hilflos und oberlehrerhaft": TV-Duell
half weder Kandidaten noch Wählern

  • Meinungsforscher: Kein Einfluss auf Wahlbeteiligung
  • PLUS Abstimmung: Wer hat am besten abgeschnitten?

Meinungsforscher haben in ersten Stellungnahmen den vier EU-Spitzenkandidaten in der TV-Konfrontation ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Fritz Karmasin von Gallup meinte, so wie die Diskussion gelaufen sei, habe sie nicht zur Motivation der Wähler beigetragen. "Es ist den vier Spitzenkandidaten nicht gelungen, Emotionen zu mobilisieren." Für Wolfgang Bachmayer von OGM ist die Konfrontation "absolut enttäuschend" verlaufen. Er erwartet kaum Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung oder auf das Wahlverhalten am kommenden Wahlsonntag.

Karmasin betonte, die Diskussion habe gezeigt, dass das Thema EU sehr spröde sei. "Es ist für den Zuseher überaus schwierig, inhaltlich einer derartigen Diskussion zu folgen." Es sei zwar der bisherige Verlauf des Wahlkampfes mehrmals bemängelt worden. "Die Fernseh-Konfrontation ist aber dann genauso verlaufen."

Bachmayer beantworte die Frage, ob die TV-Konfrontation zu einer Hebung der Wahlbeteiligung beigetragen haben könnte, mit einem "glatten Nein". Auch habe man in diesen eineinhalb Stunden nicht mehr über die Europäische Union und das EU-Parlament erfahren. Bei den Zusehern hängen geblieben sein wird aus Sicht des Meinungsforschers das Einstiegsthema der Diskussion - nämlich die EU-Sanktionen - und vielleicht noch die Themen Atom und Wasser. "Alles andere ist untergegangen."

Uneinigkeit über Abschneiden der Kandidaten
Sehr unterschiedlich fällt die Bewertung der Performance der vier Spitzenkandidaten durch die beiden Meinungsforscher aus. Für Karmasin hat die ÖVP-Kandidatin Ursula Stenzel am besten abgeschnitten. Bachmayer platziert Stenzel jedoch - ex aequo mit dem FPÖ-Spitzenmann Hans Kronberger - am letzten Platz.

Karmasin bewertet den Auftritt Stenzels als "sehr gut". Sie habe sich klar positioniert und sich nicht auf das Hick-Hack eingelassen. Gut habe auch der Grüne Spitzenkandidat Johannes Voggenhuber abgeschnitten. Er habe seine europapolitische Erfahrung unter Beweis stellen können. Der SPÖ-Spitzenmann Hannes Swoboda sei zwar inhaltlich kompetent, jedoch habe er sich nicht sehr attraktiv präsentieren können. "Und Kronberger war von den vier Kandidaten eindeutig nur der Vierte."

Stenzel ist "total geschwommen"
Für Bachmayer war Voggenhuber die Nummer eins in der TV-Diskussion. "Er hat mit Abstand am kompetentesten gewirkt." Schwachpunkt aus Sicht des Meinungsforschers war das zeitweise "oberlehrerhafte Auftreten", das nicht sehr sympathisch gewirkt habe. Swoboda habe die Botschaften der SPÖ, wie das Eintreten für ein "soziales Europa", gut platzieren können. Er habe auch einen kompetenten Eindruck vermittelt.

Kronberger dagegen habe die EU-kritische Grundkompetenz der Freiheitlichen in keiner Weise vertreten. Der FPÖ-Kandidat sei ohne Kanten und ohne Charisma über den Bildschirm gekommen. "Total geschwommen" ist aus Sicht von Bachmayer die ÖVP-Spitzenkandidatin. "Ursula Stenzel hat fast hilflos gewirkt und war immer in der Defensive." (apa/red)

7.6.2004 09:54