Montag, 7. Juni 2004

Nach Störfall im AKW Temelin: Polit-Elite
fordert Stilllegung des Pannenreaktors

  • EU-Spitzenkandidaten wollen Konsequenzen sehen
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Der Störfall im tschechischen Atomkraftwerk Temelin lässt auch bei österreichischen Politikern die Alarmglocken läuten: "Die schlimmsten Befürchtungen über die Sicherheit des AKW Temelin werden damit bestätigt", sagte der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann Josef Cap, nachdem bekannt wurde, dass aus einem Leck im Primärkreislauf des Kraftwerks 3.000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten sind. Auch die EU-Spitzenkandidaten fordern "Konsequenzen" aus dem jüngsten Störfall.

Umweltminister Josef Pröll forderte eine umfassende Untersuchung und einen detaillierten Bericht der tschechischen Seite zu dem Vorfall. "Für Österreich ist klar, dass wir die Anti-Atompolitik konsequent fortsetzen müssen", sagte Kapp. Klar sei auch, dass "Sicherheitsverbesserungen im Speziellen bei Temelin und grundsätzlich bei allen Kernkraftwerken ein kontinuierlicher Prozess sein müssen".

Johannes Voggenhuber, Spitzenkandidat der Grünen bei der EU-Wahl, sagte in einer Aussendung: "Der neuerliche Störfall im tschechischen Atomkraftwerk Temelin zeigt, dass dieser Reaktor schleunigst still gelegt werden sollte".

Glawischnig fordert Reaktion Schüssels
Dies forderte auch die Umweltsprecherin der Grünen, Eva Glawischnig: "Temelin sollte nach dem neuerlichen Störfall komplett abgeschalten werden und nicht im Probebetrieb weiterlaufen". Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) solle nun an die tschechische Regierung herantreten und die Stilllegung des Pannenreaktors einmahnen.

Der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann forderte nun einerseits von den zuständigen tschechischen Behörden die sofortige Aufklärung über die Vorfälle im AKW Temelin. Überdies verlangte er von der österreichischen Regierung, dass sie "ehebaldigst einen Bericht im Parlament vorlegt". Der Regierung hielt Cap außerdem vor, dass sie nicht mehr Druck für einen EU-weiten Atomausstieg gemacht habe.

Aufregung unter EU-Spitzenkandidaten
"Konsequenzen" aus dem Störfall im Primärkreislauf des tschechischen Atomkraftwerks Temelin hat die Spitzenkandidatin der ÖVP für die EU-Wahl, Ursula Stenzel, gefordert. "Jetzt geht es darum, alle notwendigen Informationen gemeinsam auf den Tisch zu legen und dann zu entscheiden, was mit diesem Kraftwerk passieren soll", sagte sie. "Temelin ist eine Gemeingefährdung und muss außer Betrieb gestellt werden", reagierte der freiheitliche EU-Spitzenkandidat Hans Kronberger.

Die jüngsten Meldungen über das AKW Temelin zeigen nach Ansicht von SP-Spitzenkandidat Hannes Swoboda "einmal mehr die Notwendigkeit einer gemeinsamen österreichischen Anti-Atom-Politik": "Atomkraft ist und bleibt eine hochgefährliche Technologie. Es wäre daher völlig unverantwortlich, Atomenergie weiterhin mit europäischen Geldern zu unterstützen", sagte Swoboda. (apa/red)

7.6.2004 19:42