Montag, 7. Juni 2004

Schwerer Störfall im AKW Temelin: 3.000 Liter verseuchtes Wasser ausgetreten!

  • Zwei Arbeitsräume beim 2. Reaktorblock kontaminiert
  • Umweltministerium: Kein Austritt von Radioaktivität

Nächster Störfall im AKW Temelin: Bereits Sonntag in der Früh sei ein Leck im Primärkreislauf entdeckt worden. 3.000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser seien ausgetreten und hätten zwei Arbeitsräume kontaminiert. Das berichtete der Anti-Atom-Beauftragte des Landes Oberösterreich, Radko Pavlovec, in einer Presseaussendung am Montagnachmittag. Betroffen ist demnach der Primärkreislauf des zweiten Reaktorblocks. Unterdessen hat das Umweltministerium in einer Stellungnahme erklärt, dass keine Radioaktivität ausgetreten sei.

Pavlovec kritisierte, der Temelin-Betreiber CEZ habe bisher gar nicht über den Vorfall informiert. Die tschechische Nuklearaufsichtsbehörde SUJB habe mit einer Verspätung von mehr als 24 Stunden reagiert. Sie sollte im Gegensatz zu bisherigen Zwischenfälle ihre passive Rolle aufgeben und detaillierte Untersuchungen durchführen, verlangte Paclovec und erklärte: "Vor einer übereilten Wiederaufnahme des Probebetriebes muss dringend abgeraten werden".

Für ihn ist die Häufung der Ereignisse im Block 2 in den letzten Tagen "bereits sehr auffällig". Dort war vor einigen Tagen eine Schnellabschaltung erfolgt. Als Ursache sei ein Transformatorschaden außerhalb des Reaktorgebäudes angegeben worden. Der jüngste Zwischenfall betreffe jedoch den in sicherheitstechnischer Hinsicht wichtigsten Bereich des Kraftwerkes. Angesichts der in den vergangenen Monaten unbefriedigenden Informationspolitik des Temelin-Betreibers CEZ stelle sich die Frage, ob die Probleme im Primärkreislauf die eigentliche Ursache für die Abschaltung im Block 2 darstellten.

Bei dem Leck im tschechischen Atomkraftwerk Temelin sei keine Radioaktivität ausgetreten. Dies sagte der Sprecher des Umweltministers Josef Pröll (V), Daniel Kapp, gegenüber der APA am Montagabend. Dies habe die tschechische Seite dem österreichischen Ministerium mitgeteilt. Und diese Angaben bestätige auch eine österreichische Messstation in der Nähe des Kraftwerks.

"Die im Melker Prozess vereinbarte Hotline hat funktioniert, die tschechische Seite hat uns über diesen Vorfall informiert und auch dokumentiert, dass zu keinem Austritt von Radioaktivität aus dem Reaktor und dass es zu keiner Gefährdung von Umwelt oder Menschen gekommen ist", sagte Kapp. "Wir können auf Grund unserer österreichischer Messstation in der Nähe von Temelin diese Angaben nachvollziehen. Es ist außerhalb des Reaktors zu keiner erhöhten Strahlung gekommen." (apa/red)

7.6.2004 18:14