Dienstag, 1. Juni 2004

Luca Montezemolo warb für "Made in Italy": "Kauft mehr italienische Autos!"

  • Neuer Fiat Boss soll Image des Konzerns aufpeppen
  • "Will in Zukunft weniger ausländische Autos sehen!"

Kaum drei Tage nach seiner Ernennung zum neuen Fiat-Präsidenten und schon bringt Luca Cordero di Montezemolo neuen Schwung bei Fiat. Die erste Pressekonferenz Montezemolos nach der Aufsichtsratssitzung in Turin und der Ernennung des Managers Sergio Marchionne zum neuen Geschäftsführer der Gruppe, ähnelte einer Show, in der der elegante Ferrari-Chef die Rolle eines routinierten TV-Masters übernommen hat.

Mit überschwänglichem Enthusiasmus und Charme warb Montezemolo um "Made in Italy"-Autos und um die neuen Fiat-Modelle. "Jetzt gibt es keine Entschuldigungen mehr, um keine italienischen Autos mehr zu kaufen. Fiat hat zahlreiche neue Modelle auf den Markt gebracht, eines ist schöner als das andere. Nächstes Jahr möchte ich weniger ausländische Autos sehen", sagte Montezemolo scherzend.

"In 25 Minuten hat Montezemolo Fiat um zehn Jahre verjüngt. Er hat in wenigen Tagen Ferrari-Glamour nach Turin gebracht", kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica" (Mittwochausgabe). "Unter Montezemolos Leitung hofft Fiat auf eine neue Ära. Wer nach Umberto Agnellis Tod vom Ende der Unternehmerdynastie gesprochen hatte, wird seine Meinung ändern müssen. Montezemolo ähnelt immer mehr dem charismatischen Firmenpatriarchen Giovanni Agnelli", kommentierten italienische Medien.

Montezemolo, den die britische Tageszeitung "Financial Times" in "Lucky Luca" umgetauft hat, will vor allem auf eine Auffrischung des veralteten Fiat-Images setzen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird er auf seine Erfahrung als Ferrari-Sanierer zurückgreifen. Der 56-jährige Topmanager aus Bologna, der in 13 Jahren an der Spitze Ferraris das marode Unternehmen von Maranello zu beispiellosen unternehmerischen und sportlerischen Höhenflügen verholfen hat, gilt als Marketingexperte mit großem Talent. "Er wird Fiat wieder zu einer Erfolgsmarke machen", kommentierte ein Fiat-Aufsichtsratsmitglied am Ende der Sitzung am Dienstag.

Montezemolos wird von nun an ein sehr hektisches Leben führen. Der neue Fiat-Präsident versicherte, dass er weiterhin den Posten des Ferrari-Chefs bewahren wird. Hinzu wird er auch als Präsident des einflussreichen italienischen Industriellenverbands Confindustria beschäftigt sein, zu dem er erst vor sechs Tagen ernannt worden war. Montezemolo ist außerdem Präsident der italienischen Verlagsgruppe FIEG und der Messe von Bologna. "Ich renne ein bisschen viel zur Zeit, ich hätte das Angebot der Familie Agnelli aber nicht ablehnen können", meinte Montezemolo.

Der neue Fiat-Präsident wird sich auch um den Generationswechsel im Unternehmen kümmern müssen. Bei der ersten Fiat-Aufsichtsratssitzung der Ära Montezemolo debütierte der "Kronprinz" der Agnelli-Dynastie, der 28-jährige Neffe Umberto Agnellis, John Philip Elkann, in seiner Rolle als Vizepräsident der Gruppe, zu dem er am Sonntag ernannt worden war. Montezemolo erklärte sich fest entschlossen, an Elkanns Ausbildung zum künftigen Fiat-Chef zu arbeiten. "John Elkann hat Erfahrungen im Ausland und in Italien gesammelt. Er wird mit mir arbeiten und beruflich wachsen", meinte Montezemolo. (apa/red)

1.6.2004 15:31