Mittwoch, 2. Juni 2004

Dagmar Koller intim

Vor einem Jahr noch wollte Dagmar Koller von der literarischen Aufarbeitung ihres reichen Erfahrungsschatzes nichts wissen. Der Memoirenmarkt schien durch Sudel-Outings von der Sorte Bohlen, Naddel und Küblböck versaut. „Nein“, befand sie da noch, „mit so abartigen Sex-Enthüllungen kann und will ich nicht mithalten.“

Dem ersten Verlag, der ihre Erinnerungen aufzeichnen lassen wollte, sagte sie ab.
Nun aber ist es ihrem bekannt offenherzigen Gemahl und Altbürgermeister Helmut Zilk, 76, im Verein mit Brigitte Sinhuber, rührige Programmchefin beim renommierten Langen Müller Verlag, gelungen, die Diva zu überzeugen: Sie habe der Welt sehr wohl Mitteilenswertes anzuvertrauen. Vor allem die Antwort auf die alle bewegende Frage steht aus: Wie macht das die Koller? So schlank, so temperamentvoll, so fleißig und so voll Liebe noch in einem Jahrzehnt, in dem andere sich längst im Seniorenheim ausruhen. Und dies alles ohne die Hilfe der Schönheitschirurgie!

65. Geburtstag.
Am 26. August wird der Musicalstar 65 – ein guter Anlass, in Buchform auf ein bewegtes Leben zurückzublicken. Und dabei auch die Zukunft nicht zu vergessen. „Jetzt fängt’s erst richtig an“ lautet der Titel der Autobiografie, die im September erscheint und von NEWS-Autorin Senta Ziegler aufgezeichnet wird. Dagmar Koller, mit kleinem Seitenhieb auf die Sternschnuppen des „Starmania“- Rummels: „Ich will zeigen, wie man nur durch Leistung, Disziplin und Fleiß so weit kommt wie ich.“ Denn wer glaubt, Kollers Karrieregeheimnis trage den Namen Helmut Zilk, Fernsehdirektor von 1967 bis 1974 und Bürgermeister von 1984 bis 1994, der irrt. „Unsere Liebe ist genau in der Zeit intensiv geworden, als Helmut total am Boden zerstört war.“ Zilk hatte damals gerade den schmerzvollen Abgang vom ORF nach der Ära Bacher I vollzogen. Geheiratet wurde 1978, als Zilk noch nicht einmal Kulturstadtrat war.

Mühevoller Aufstieg.
Bewegend die Schilderung der armen Kindheit in Klagenfurt, der geschiedenen Eltern, die Schrecken am Rande des Kindesmissbrauchs. Dann die Tanzschule, in die man sie mit fünf wegen ihrer Spreizfüße steckte. Und dort der frühe Wille: „Einmal als Tänzerin in der ersten Reihe zu stehen!“

Erster Musical-Star.
Eisern wird der Traum verfolgt. Erst als Ballettelevin an der Akademie für Darstellende Kunst, die sie als Beste des Jahrgangs abschließt. Dann im Ballett der Volksoper. Als die Karriere als Solotänzerin unerreichbar scheint, lässt sie sich zur Sängerin und Schauspielerin ausbilden. Bei der Abschlussprüfung im Schauspielfach sagt Prüfer Erik Frey zu ihr: „Sehr gut, aber das Gretchen werden Sie einmal nicht spielen!“ Denn der Prüfling saß beim Gebet der von Faust Verlassenen mit gespreizten Beinen da – in der ersten Position des Balletts. Als ihr die Rollen als Soubrette zu langweilig werden, wechselt sie als eine der Ersten ins hierzulande noch unbeackerte Musical-Fach. Auf frühen Amerikatourneen in den 60er Jahren studiert sie als eine der ersten europäischen Künstlerinnen die heute gerühmten Bob-Fosse-Choreografien ein. Und die sind wesentlich temporeicher, brutaler, flotter als die alten Operettentänzeleien. Endlich brillierte sie in den Hauptrollen von „Kiss Me Kate“, „My Fair Lady“, „Irma La Douce“, „Hello Dolly“, „Annie Get Your Gun“ und in ihrer Lebensrolle, der Dulcinea im „Mann von La Mancha“. Begegnungen mit den Großen – Liz Taylor, Giuseppe di Stefano, Curd Jürgens, Hildegard Knef – (siehe Kasten) werden im Buch umfassend reflektiert.

Erotische Geständnisse.
Zur Erbauung des Publikums wird auch komplexfrei der erotischen Details gedacht. Als die Dreißigjährige 1970 Helmut Zilk, dem Mann ihres Lebens, begegnet, ist sie knapp 30 und Jungfrau nur im Sternzeichen. Zilk wundert sich seither: „Als wir uns kennen lernten, habe ich geglaubt, es wären drei Männer vor mir gewesen. In jedem Urlaub gab sie mir bei Rotwein und Kerzenlicht einen weiteren zu.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

2.6.2004 17:12