Mittwoch, 2. Juni 2004

Klestil: „Ich weiß, dass das Amtsende näher kommt“

Staatspräsidenten huldigen dem scheidenden Thomas Klestil und überschütten Heinz Fischer mit Vorschusslorbeeren.

Wer ist „der Neue“ an Klestils Seite? Hat Österreich neuerdings gar zwei Präsidenten? Wann geht der eine, wann kommt der andere?
Einige Hundert internationale Journalisten, Diplomaten, Sicherheitsleute und Beobachter aus EU-, Nicht-EU- und Noch-nicht-EU-Staaten trauten ihren Augen nicht, als in der Vorwoche im rumänischen Badeort Mamaia
18 Präsidenten aus 17 zentraleuropäischen Ländern auf der Bühne vor dem Intercont-Hotel „Rex“ Aufstellung nahmen und mit militärischen Ehren und Musik begrüßt wurden. In kurzen Abständen enthüllten rumänische TV-Sender das Geheimnis des überzähligen Kopfes: Thomas Klestil amtiert noch (bis 8. Juli), Heinz Fischer amtiert noch nicht. Weil Klestil 1993 das „zentraleuropäische Präsidententreffen“ ins Leben gerufen und er so historische Verdienste um die Integration Europas erworben hat, wurde Fischer als designierter Nachfolger „mit großer Freude“ (Hausherr Ion Iliescu, Staatschef von Rumänien) als „Fast-Präsident“ mit eingeladen. Vorschusslorbeeren also.

Perfekte Akzeptanz.
Wer die im Hofburgwahlkampf oft strapazierte Unsicherheit Fischers am internationalen Parkett erwartete, wurde in Mamaia enttäuscht. Der 2. (Noch-)Präsident des Nationalrats wurde von seinen künftigen Oberhauptkollegen mit größter Herzlichkeit und freundschaftlicher Verbundenheit empfangen. Niemand am Romanian Summit heimste mehr Präsidentenküsse und -umarmungen ein als Klestil und Fischer. Der gab sich prompt als weltgewandter Parlierer, informierter Verhandler auf bilateraler Ebene und geschickter Diplomat. Als Klestil und Fischer in einer gemeinsamen Pressekonferenz zu Jörg Haiders jüngstem Ausritt (dem SPÖ-EU-Spitzenkandidaten Swoboda wegen Landesverrats Wahlrecht entziehen!) befragt wurden, zogen sich beide aufs Präsidiale zurück: Im Ausland keine Aussagen zum Inland und im Inland keine Aussagen zur Tagespolitik.
Von seiner ständigen Beraterin Susanne Gaugl adäquat unterstützt, präsentierte sich Fischer im Kreis altgedienter Staatschefs als topfirm in allen anstehenden Europafragen. Zu geringe Auslandserfahrung? In Mamaia jedenfalls wurde er als außenpolitischer Vollprofi gelobt.

Abschied.
Dass sich Klestil seit Amtsbeginn (1992) für die Integration Europas stark machte, vergessen viele Staaten nicht.
Im Kreis der Präsidenten wird er daher wegen seiner geraden EU-Linie als Elder Statesman geschätzt. Lange vor ihrem EU-Beitritt waren Präsidenten der meisten Kandidatenstaaten Gäste beim „Präsidententreffen“.
In Mamaia wurde Klestil von den Staatschefs im Rahmen eines Banketts offiziell verabschiedet. Aleksandr Kwasniewski hielt die Laudatio. Klestil habe, so der polnische Präsident, „in den letzten zwölf Jahren Hervorragendes für Europa geleistet“. Klestil sei ein „großer Europäer, ein großer Freund Polens und ein langjähriger persönlicher Freund“. (Dieses Kompliment trifft auch auf Fischer zu: So wie er war auch Kwasniewski Parlamentspräsident – und in dieser Funktion sind beide seit Jahrzehnten befreundet.) Er „hoffe zutiefst, dass Thomas Klestil, die-
ser hervorragende europäische Staatsmann, auch in Zukunft seine reiche diplomatische Erfahrung, seine Weisheit und seine Kenntnisse mit uns teilt“, betonte Kwasniewski – und ein voller Saal spendete stürmischen Applaus.
Klestil wird also auch in Zukunft international tätig sein.

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PLUS: Interview mit Klestil und Fischer

2.6.2004 16:43