Mittwoch, 2. Juni 2004

OPEC dreht Ölhahn weiter auf: Trotzdem keine Entspannung an Finanzmärkten

  • Zunächst Erhöhung auf 25,5 Mio. Barrel pro Tag!
  • Ölpreise geben durch Fördererhöhung nicht weiter nach

Wie erwartet hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) am Donnerstag die Rohölfördermenge erhöht. Mit 1. Juli wird die Produktion zunächst um zwei Mio. auf 25,5 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag erhöht, teilten die Ölminister Katars und Algeriens mit. Die Ölpreise gerieten durch die Entscheidung zunächst nicht unter Druck, stiegen aber auch nicht weiter.

Der Rohölpreis befindet sich nach der gestrigen Entscheidung der OPEC weiter auf dem Rückzug. In New York hat der Terminpreis heute früh wieder leicht nachgegeben. Rohöl zur Juli-Auslieferung notierte im elektronischen Handel am New Yorker Warenterminmarkt Nymex mit 39,13 Dollar je Fass (159 Liter) um 15 Cent niedriger. Der Preis war am Donnerstag im regulären Handel um 1,7 Prozent auf 39,28 Dollar gefallen. Der Ölpreis hatte zum Wochenauftakt mit 42,33 Dollar einen neuen Rekord erreicht. Der Benzinpreis war in New York am Donnerstag um 3,7 Prozent abgesackt und gab heute früh weiter leicht nach.

Ausschlaggebend für den jüngsten Preisrückgang im Energiesektor war nach Angaben amerikanischer Ölfachleute neben der OPEC-Entscheidung vor allem ein stärker als erwartet ausgefallener Anstieg der amerikanischen Rohöl- und Benzinreserven. Die Benzinreserven erhöhten sich in der vergangenen Berichtswoche nach Angaben Washingtons um 1,3 Millionen auf 204,3 Millionen Fass. Die Rohölreserven stiegen um 2,8 Millionen auf 301,7 Millionen Fass. Das war der höchste Stand seit August 2002. Die höheren Reserven sind wichtig, da der amerikanische Benzinverbrauch in der Hauptreisezeit im Sommer traditionell stark ansteigt.

Eine kräftige Tendenz nach unten zeigt auch der sieben Sorten umfassende Korbpreis der OPEC. Für Donnerstag wurde ein Wert von 35,86 Dollar je Fass errechnet, teilte die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) heute in Wien mit. Das waren 0,94 Dollar weniger als am Tag zuvor. Der OPEC-Korbpreis lag damit erstmals seit 12. Mai wieder unter der 36-Dollar-Marke.

Experten: Ölpreise geben nicht weiter nach
Analysten zeigten sich nach der angekündigten Fördererhöhung skeptisch, dass dieser ein deutliches Absinken der Preise folgen werde. "Die OPEC-Aktion wird keine dramatische Wirkung auf die Ölpreise haben, weil wir keinen Versorgungsengpass haben", sagte Bill O'Grady von AG Edwards. "Was wir haben, ist die Angst vor Instabilität und die Furcht vor (Versorgungs-)Unterbrechnungen." Die OPEC könnte dagegen durch Änderung an den Quoten nichts tun. "Was wir brauchen ist Frieden im Nahen Osten."

Die OPEC-Mitglieder Saudiarabien und Kuwait hatten zunächst eine sofortige Anhebung auf 26 Mio. Barrel pro Tag gefordert, aber dagegen hatten sich der Iran, Venezuela und Nigeria gesträubt. Ein OPEC-Vertreter sagte jedoch, es werde darüber hinaus geprüft, ob den Mitgliedern eine Erlaubnis zur Überproduktion gegeben werde.

Damit könnten zusätzlich 1 bis 1,5 Mio. Barrel pro Tag von Ländern auf den Markt gebracht werden, die noch Kapazitäten hätten. Allerdings hatte die OPEC auch schon bisher eine deutliche Überproduktion ihrer zehn am Quotensystem beteiligten Mitglieder geduldet.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sagte, die Erhöhung der OPEC gehe "in die richtige Richtung". Er hatte die OPEC zuvor aufgefordert, "vernünftig" zu handeln, damit die derzeit hohen Preise nur ein vorübergehendes Phänomen blieben. Ansonsten seien sie ein "Risiko" für die Konjunktur.

Der deutsche Mineralölwirtschaftsverband (MWV) meinte, "die Entscheidung der OPEC war ja erwartet worden und trotzdem bleiben die Preise hoch". MWV-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow betonte, dass für die derzeitigen hohen Preise vor allem psychologische Effekte verantwortlich seien, schließlich gebe es genug Rohöl.
(apa/red)

2.6.2004 22:11