Dienstag, 1. Juni 2004

Kündigungen bei Alitalia? Arbeitsminister warnt vor 5.000 Jobstreichungen

  • Staatliche Fluggesellschaft ist eine "soziale Zeitbombe"
  • Ungewissheit um die Zukunft belasten Aktien der Airline

Die Ungewissheit um den Plan zur Sanierung der vom Konkurs bedrohten Fluggesellschaft Alitalia sorgt für scharfe Polemik in Italien. Arbeitsminister Roberto Maroni gab zu verstehen, dass der Sanierungsplan, an dem der neue Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli arbeitet, die Streichung von über 5.000 Arbeitsplätzen vorsehen könnte. Zuvor hatte Maroni auf eine rasche Verabschiedung eines Rettungsplans gedrängt. Die noch staatliche Fluggesellschaft sei eine "soziale Zeitbombe", da massive Stellenstreichungen zur Sanierung der Airline notwendig seien, so Maroni.

Die Worte des Ministers sorgten für scharfe Reaktionen unter den Gewerkschaften. Die Arbeitnehmerorganisationen, die zu einem Treffen mit Cimoli einberufen wurden, forderten vom Minister Erklärungen. "Wir wollen wissen, was im Gange ist. Die Kosten der Sanierungspolitik können nicht nur auf die Alitalia-Belegschaft lasten", sagte der Vorsitzende des stärksten Gewerkschaftsverbands in Italien, der "roten" CGIL, Guglielmo Epifani.

Die Ungewissheit um Alitalias Zukunft belasten die Aktien der Airline an der Mailänder Börse, die wieder stark unter Druck sind. Alitalia-Chef Cimoli mahnte zu Geduld. Er brauche Zeit, um einen tragwürdigen Rettungsplan zu verfassen.

Indiskretionen zufolge hat Cimoli von Regierungschef Silvio Berlusconi den Auftrag erhalten, erst nach den EU-Wahlen im Juni den Inhalt des Alitalia-Rettungsplans im Detail vorzulegen. Massive Jobkürzungen würden sich negativ auf das Image der Regierung auswirken, deren Popularität ohnehin sinkend sei, spekulierten italienische Medien.

Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Arbeitsminister und Cimoli waren bereits vergangene Woche aufgetreten. Nachdem die Gesellschaft vor zehn Tagen angekündigt hatte, der Staat werde einen Überbrückungskredit für die Airline sichern, sagte Maroni, dass die Regierung nie über einen solchen Kredit diskutiert habe. "Wenn jemand Spass dran hat, derartige Nachrichten zu verbreiten, dann ist dieser Spass völlig fehl am Platz", sagte Maroni. (apa/red)

1.6.2004 10:02