Freitag, 4. Juni 2004

Vergabe der Ski-WM 2009: Alle Stimmen zur Wahl des FIS-Kommitees an Val d'Isere

  • Enttäuschung in Schladming hält sich in Grenzen
  • Deutsches OK-Mitglied: "Wir sind abserviert worden"

Nach der Entscheidung des FIS-Komitee, die Ski-WM 2009 an Val d'Isere zu vergeben, hält sich die Enttäuschung bei "Verlierer" Schladming in Grenzen; man setzt seine Hoffnungen nun auf die WM 2011. Heftiger fallen die Reaktionen aus Garmisch aus, das bereits im ersten Wahldurchgang gescheitert war.

Schladming
Peter Schröcksnadel (ÖSV-Präsident): "Wenn man nicht gewinnt, kann man nicht ganz zufrieden sein. Aber mit Val d'Isere hatten wir einen starken Gegner, wir haben uns achtbar geschlagen. Unser Abschneiden ist absolut respektabel. Nur sind uns fünf Stimmen zugesagt gewesen, da hat eine nicht gehalten. Jetzt haben wir aber Auftrieb und Hoffnung für das nächste Mal. Ich hoffe, dass wir dann gewinnen können."

Charly Kahr (Präsentator der Schladminger Bewerbung): "Wir haben die erste Etappe zu unserem Ziel bravourös gemeistert. Wir sind ja zum ersten Mal angetreten, dafür ist das ein sensationelles Ergebnis. Ich habe Jean-Claude Killy gratuliert und ihm zugesagt, dass ich zur WM 2009 nach Val d'Isere kommen werde."

Hans Knauß (Schladminger Delegationsmitglied): "2009 werde ich nicht mehr aktiv dabei sein. Val d'Isere war ein sehr guter Kandidat. Eigentlich wäre es komisch gewesen, wenn wir schon beim ersten Mal den Zuschlag bekommen hätten. Nur als Rennfahrer bringt mir ein zweiter Platz mehr als der jetzt. Doch von Null weg Zweiter ist eben nicht schlecht."

Hermann Kröll (Bürgermeister Schladming): "Beim ersten Antreten gleich die Silber-Medaille zu holen, ist ehrenvoll. Man darf nicht vergessen, dass Val d'Isere zum siebenten Mal angetreten ist. Für uns ist dieses Ergebnis eine große Herausforderung für 2011."

Hermann Schützenhofer (Steirischer Sportlandesrat): "Ich gratuliere Val d'Isere! Aber wir sind vor Garmisch, das sich bereits fünf Mal beworben hat und vor Vail. Das ist ein schöner Tag für die Steiermark und für Österreich. 2011 oder 2013 bekommen wir die WM sicher."

Val d'Isere
Jean Claude Killy (OK-Chef von Val d'Isère): "Für uns ist das ein emotioneller Moment, da 81 Prozent der Bevölkerung von Val d'Isere hinter der Bewerbung stehen. Wir haben so lange auf diesen Augenblick gewartet. Das ist eine große Freude und großartig für die Zukunft. Ich glaube, dass das ein Sieg für unsere Jugend ist. Man sieht, was man mit Professionalität und dem Willen von allen erreichen kann. Das ist ein Beispiel für die Pariser Olympia-Bewerbung für 2012."

Jean-Claude Fritsch (Direktor des Exekutiv-Komitees): "Wir haben gewonnen! Das ist eine große Genugtuung, da es schon die zweite Kandidatur ist, die ich durchführe. Das ist eine Belohnung für vier Jahre Arbeit. Für den französischen Skisport ist dieser Zuschlag sehr gut, besonders für den französischen Verband."

Garmisch:
Walter Vogel (Alpin-Chef des DSV): "Ich bin so fair, Val d' Isere als Gewinner zu akzeptieren. Natürlich ist dieses Ergebnis für Garmisch-Partenkirchen und den DSV enttäuschend, weil beide einen guten Job gemacht und viel für die Bewerbung getan haben. Wir lassen uns trotz dieser Niederlage nicht von unserem Weg abbringen. Man sieht, dass Qualität und eine hochwertige Bewerbung allein nicht ausschlaggebend sind."

Christian Neureuther (OK-Mitglied): "Wir sind abserviert worden. Man muss sich fragen, welche Stellung der deutsche Sport überhaupt noch hat. Der große Schock, für uns, Garmisch-Partenkirchen, Deutschland und den Deutschen Skiverband ist die Tatsache, dass wir nur zwei Stimmen bekommen haben, damit hat keiner gerechnet."

Fritz Wagnerberger (DSV-Präsident): "Dass wir so schlecht ausschauen, ist natürlich schon eine Riesenenttäuschung. Ich verstehe es eigentlich nicht, da die meisten, die abgestimmt haben, von den Initiativen, die vom deutschen Markt ausgehen, leben. Offensichtlich wird das als selbstverständlich genommen, dass wir den Rest der Welt mitfinanzieren."

Günter Hujara (FIS-Renndirektor): "Das Abstimmungsverhältnis ist extrem. Ich hätte Garmisch in der Stimmenvergabe stärker eingeschätzt. Es beweist die derzeitige Wertigkeit des deutschen Sports, der auf vielen Feldern nicht ganz oben steht."

Maria Riesch (dreifache Weltcup-Siegerin): "Es ist natürlich sehr enttäuschend, wenn man sieht, was man investiert und wie sich die Mannschaft reingehängt hat. Dass wir schon in der ersten Runde ausgeschieden sind, kann ich nicht verstehen. Die Reaktionen auf die Präsentationen waren alle in die Gegenrichtung, und deswegen kann ich mir nicht vorstellen, wie so etwas abläuft. Dieser Wettkampf war definitiv nicht fair."
(apa/red)

4.6.2004 13:57