Mittwoch, 2. Juni 2004

Nach verpasstem WM-Zuschlag: Schladming für 2011 optimistisch

  • Kaum Enttäuschung nach verpasstem Zuschlag
  • PLUS: Alle Stimmen zur Entscheidung der FIS

Schladming ist beim FIS-Kongress in Miami nicht mit der Austragung der alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2009 beauftragt worden, die Enttäuschung im Lager der Steirer hielt sich nach der Bekanntgabe des Zuschlags an Val d'Isere aber in Grenzen. Denn die sechsköpfige Delegation war trotz einer guten Bewerbung als Außenseiter in das Vergabe-Rennen gegangen, nun liegt die Hoffnung auf der WM-Kandidatur für 2011 bzw. 2013. In Frankreich wird hingegen erstmals nach 47 Jahren wieder eine WM stattfinden, 1962 war Chamonix Gastgeber.

Mit dem Hintergrund, dass sich Schladming erstmals seit der WM 1982 beworben hat und 2001 bei den Titelkämpfen in St. Anton in Österreich um WM-Medaillen gefahren wurde, sah Schladmings Bürgermeister Hermann Kröll Rang zwei hinter der französischen Ski-Station (vier zu acht Stimmen) fast als Optimum: "Beim ersten Antreten gleich die Silber-Medaille zu holen, ist ehrenvoll. Man darf nicht vergessen, dass Val d'Isere zum siebenten Mal angetreten ist. Für uns ist dieses Ergebnis eine große Herausforderung für 2011."

Der steirische Sportlandesrat Hermann Schützenhofer kehrte ebenfalls die positiven Aspekte des Wahl-Ausgangs hervor. "Ich gratuliere Val d'Isere! Aber wir sind vor Garmisch (Anm.: im ersten Wahlgang als Letzter ausgeschieden), das sich bereits fünf Mal beworben hat und vor Vail (Anm.: drei Stimmen). Das ist ein schöner Tag für die Steiermark und für Österreich. 2011 oder 2013 bekommen wir die WM sicher", meinte der Politiker. Die Bewerbung für 2011 war vorher abgesprochen und in den 2,9 Mio. Euro für 2009 mitbudgetiert worden.

Schröchsnadel: "Unser Abschneiden ist absolut respektabel"
Am meisten dürfte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel mit einem Sieg geliebäugelt haben. "Wenn man nicht gewinnt, kann man nicht ganz zufrieden sein. Uns sind fünf Stimmen zugesagt gewesen, da hat eine nicht gehalten", erklärte der Tiroler. "Aber unser Abschneiden ist absolut respektabel. Jetzt haben wir aber Auftrieb und Hoffnung für das nächste Mal." Delegationsmitglied Hans Knauß sah es als "normales" Ergebnis an: "Eigentlich wäre es komisch gewesen, wenn wir schon beim ersten Mal den Zuschlag bekommen hätten", so der Rennläufer.

Österreichs ehemaliger Trainer-Fuchs Charly Kahr hatte die 15-minütige Präsentation seiner Heimatstadt vor dem versammelten FIS-Vorstand über, von dem schließlich 15 der 16 Mitglieder abstimmten. Kahr hatte in der Heimat eigens Englisch gepaukt, um seinen Part positiv abzuwickeln und meisterte die in filmische Impressionen der Stadt eingebettete letzte Vorstellung der vier Kandidaten dann auch gut.

Nach der Bekanntgabe der Entscheidung applaudierte auch der knapp 72-jährige Kahr der Delegation von Val d'Isere und sagte dem Delegationsleiter und dreifachen Olympiasieger Jean-Claude Killy sein Kommen zu den Titelkämpfen 2009 zu. Jean-Claude Fritsch, der Direktor des Exekutiv-Komitees von Val d'Isere, sprach von einer "enormen Genugtuung". Die Vergabe an die Franzosen war sicherlich auch eine Art Abschiedsgeschenk an Fritsch, der seit langem in Val d'Isere für die Weltcuprennen verantwortlich zeichnet.

Franzosen mit Konzept der zwei WM-Berge
Dieses sieht vor, dass auf der "wiederbelebten" und spektakulären Face de Bellevarde die Herren-Bewerbe gefahren werden. Dort hatte Patrick Ortlieb 1992 bei den Spielen in Albertville Olympiagold in der Abfahrt geholt. Die Damen werden auf dem Face de Solaise um WM-Edelmetall fahren. Killy sah den Abstimmungserfolg als emotionellen Sieg: "81 Prozent der Bevölkerung standen ja hinter der Kandidatur. Das ist eine große Verpflichtung für die Zukunft."

Im Lager der Franzosen sieht man den Sieg auch als positives Vorzeichen für die nächstjährige Wahl des Austragungsortes der Olympischen Spiele 2012. Paris ist ja eine von fünf vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bestimmten Kandidaten-Städte. "Wir haben bewiesen, was man mit wirklicher Professionalität und dem Willen aller erreichen kann. Das ist ein bescheidenes Beispiel für Paris 2012", so Killy.

Große Enttäuschung in Garmisch und Vail
Sehr enttäuscht waren die Vertreter von Garmisch, vor allem, weil das Aus schon im ersten Wahlgang kam. "Das ist sicher bitter. Wir müssen analysieren, woran es gelegen hat" meinte Walter Vogel, der Alpin-Chef des deutschen Ski-Verbandes. Damit muss Deutschland weiter auf die zweite Alpin-WM nach Garmisch 1978 warten, nachdem man sich zuletzt für 1999 erfolglos beworben hatte. Diesmal lag die Konzentration vor allem auf wirtschaftlichen Argumenten mit Deutschland als wichtigem Markt für die Ski-Industrie.

Enttäuschend verlief der Abend im Hotel Intercont von Miami auch für Vail. Die ursprünglich angedachte Dreifach-Bewerbung auch für Snowboard und Freestyle und der dann erfolgte Rückzug aus diesen beiden Sparten erwies sich als Bumerang. Jedenfalls lagen die US-Amerikaner in beiden Wahlgängen eine Stimme hinter Schladming nur auf Platz drei. Damit wurde nach St. Anton 2001, St. Moritz 2003, Bormio 2005 und Aare 2007 nun schon zum fünften Mal in Folge eine Alpin-WM an Europa vergeben, der "inoffizielle" Zehnjahres-Rhythmus mit Titelkämpfen in Übersee hingegen beendet. Was das für europäische Bewerber für 2011 bedeutet, wird sich weisen.
(apa/red)

2.6.2004 12:05