Samstag, 5. Juni 2004

Harter EU-Wahlkampf: FPÖ wird als am wenigsten fair eingeschätzt!

  • Neue Umfrage sieht SPÖ am 13. Juni voran
  • "profil": 54% wollen bei EU-Wahl zur Urne schreiten

Der EU-Wahlkampf 2004 konnte bereits mit zahlreichen Skandalen und verbalen Entgleisungen aufwarten. Dabei wird der FP-Wahlkampf von den Österreichern als am wenigsten fair eingeschätzt. Das ergab eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts market. Eine SORA-Umfrage hat indessen die Sonntagsfrage gestellt: demnach käme die SPÖ bei der EU-Wahl am 13. Juni auf 34 Prozent, die ÖVP auf 30 Prozent, die Grünen auf 13 bis 14 Prozent, Hans-Peter Martin ebenfalls auf 13 bis 14 Prozent und die Freiheitlichen würden von sieben bis acht Prozent gewählt.

"Wenn sie an den Wahlkampf der Parteien denken: Bei welchen Parteien würden Sie sagen, diese hat die für die Entwicklung Europas wichtigen Themen angesprochen, und bei welchen sind eher für Europa weniger wichtige Dinge im Mittelpunkt gestanden?" Diese Frage ließ der "Standard" 400 repräsentativ ausgewählten Österreichern vorlegen - und market ermittelte, dass bei keiner einzigen Partei mehrheitlich Europa-relevante Wahlkampfthemen wahrgenommen werden:

Am relativ kompetentesten wirkt noch die ÖVP mit Ursula Stenzel mit 32 Prozent: Der Volkspartei trauen vor allem ältere und ohnehin ÖVP-nahe Wahlberechtigte zu, die relevanten Themen anzusprechen - allerdings sagt auch hier eine Mehrheit (38 Prozent), dass Stenzel und die ÖVP eher weniger wichtige Themen angesprochen hätten. Auf die zweite Frage, ob die ÖVP nämlich einen fairen und sachlichen Wahlkampf geführt habe, sagen 40 Prozent, dies sei der Fall gewesen, 33 Prozent halten den bisherigen ÖVP-Wahlkampf für unfair.

In Sachen Fairness bekommt die SPÖ mit Hannes Swoboda exakt die gleichen Noten wie die ÖVP - wenn auch von anderen Personen. Die Wahl der Themen wird bei der SPÖ etwas schlechter bewertet als bei der ÖVP: 28 Prozent sagen, sie setze auf die richtigen, für Europa wichtigen Themen; 37 Prozent sehen eine Beschäftigung mit den falschen Themen.

An dritter Stelle im Kompetenzranking kommen Johannes Voggenhuber und die Grünen: Immerhin jeder vierte Befragte nimmt wahr, dass deren Themen für Europa wichtig wären. 40 Prozent, besonders ältere und von höherer Bildung nicht erreichte Befragte, aber auch Selbstständige misstrauen der grünen Themensetzung. Dafür bekommen sie gute Noten für Fairness (40 Prozent) und die geringsten Nennungen als "weniger fair und sachlich" (26 Prozent).

Den vierten Platz im Kompetenzranking erhält Hans-Peter Martin. Er ist beinahe ausschließlich mit der Thematisierung ungerechtfertigter Spesenabrechnungen aufgefallen - dies halten immerhin 22 Prozent für thematisch wichtig (40 Prozent nicht). 23 Prozent schätzen Martin und seine Gruppe als "fair und sachlich" ein (40 Prozent nicht, die restlichen 37 Prozent haben vom Wahlkampf nichts mitbekommen).

Besonders schlechte Noten bekommen Hans Kronberger und die FPÖ: Nur 13 Prozent sehen eine europarelevante Themensetzung - 50 Prozent eine Themenverfehlung. Fairness wird den Freiheitlichen nur von 22 Prozent zugetraut - 43 Prozent halten sie für "weniger fair und sachlich".

Kaum wahrgenommen wird die Linke Liste von Leo Gabriel: 55 Prozent können sie inhaltlich nicht beurteilen, nur vier Prozent trauen ihr die richtige Themensetzung, nur zwölf Prozent Fairness zu. (apa)

5.6.2004 09:15