60 Jahre nach dem "D-Day": Schröder war als erster deutscher Kanzler bei Feier dabei
- "Wir kennen unsere Verantwortung vor der Geschichte"
- Alle BILDER: Das waren die Gedenkfeiern in Frankreich
·60 Jahre D-Day: Feiern zum Jubiläum!
Chirac, Bush, Schröder & die Queen: Alle BILDER!
·Stichwort D-Day: Der längste Tag
6.6.'44: Alliierten-Invasion sprengt Hitlers Atlantikwall
Am 60. Jahrestag der Landung alliierter Truppen in der Normandie haben Staats- und Regierungschefs aus 16 Ländern ein besonderes Zeichen der Versöhnung gesetzt. Mit Gerhard Schröder nahm am Sonntag erstmals ein deutscher Bundeskanzler an der zentralen Gedenkfeier am Gold-Strand von Arromanches teil, der neben dem französischen Staatschef Jacques Chirac unter anderem auch der russische Präsident Wladimir Putin, die britische Königin Elizabeth II., Premierminister Tony Blair und US-Präsident George W. Bush beiwohnten.
Die Zeremonie begann mit einer halben Stunde Verzögerung, weil Bush mit seiner Limousine verspätet eingetroffen war. Wegen eines Interviews mit US-Medien war der Präsident bereits zu einer französisch-amerikanischen Gedenkfeier in der Früh mit fast einstündiger Verspätung erschienen.
Der französische Präsident sagte im Rahmen der Feierlichkeiten, die "unnachgiebigen Feinde der Vergangenheit" bauten gemeinsam an der Gegenwart und blickten gemeinsam in die Zukunft. Der deutsche Bundeskanzler betonte, Deutschland sei sich seiner besonderen Verantwortung vor der Geschichte bewusst. "Europa hat seine Lektion gelernt, und gerade wir Deutschen werden sie nicht verdrängen."
Schröder bekräftigte zudem die Bereitschaft Deutschlands, auch künftig notfalls mit militärischen Mitteln seiner "Verantwortung für Frieden und Menschenrechte" gerecht zu werden. "Wir sind aber auch nicht leichthin bereit, zu militärischen Mitteln zu greifen", betonte er. US-Präsident George W. Bush erklärte, die "große Allianz der Freiheit" sei stark und werde auch heute noch gebraucht.
Die Ehrengäste wurden mit der französischen Nationalhymne in Arromanches empfangen. Veteranen folgten den Flaggen der einstigen deutschen Weltkriegsgegner. Bei der Zeremonie saßen der französische Präsident und die anderen Staatschefs in der ersten Reihe, Regierungschefs in der zweiten Reihe.
133 Veteranen wurden mit stehenden Ovationen begrüßt, 14 von ihnen von Chirac zu Rittern der französischen Ehrenlegion ernannt. Die eineinhalbstündige Zeremonie endete mit einem Film, in dem sich tausende Bewohner der Normandie auf den Landungsstränden zu den Wörtern "Normandie, Liberte, Merci" (Normandie, Freiheit, Danke) gruppierten.
Der deutsche Bundeskanzler ehrte später auf dem britischen D-Day-Friedhof von Ranville bei Caen zunächst die etwa 2.200 Gefallenen aus Großbritannien und anderen Commonwealth-Staaten mit einem Kranz und ging dann an das Grab eines unbekannten deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch dort verharrte er nach der Kranzniederlegung. 322 deutsche Soldaten sind auf dem Friedhof bestattet. Aus der deutschen Opposition war kritisiert worden, dass Schröder nicht einen der deutschen Friedhöfe hatte besuchen wollen.
Die Zeremonie fand in aller Stille statt. Bei dem Besuch wurde Schröder vom früheren deutschen Wehrmachtsoffizier Philipp von Boeselager begleitet, dem letzten lebenden Verschwörer des fehlgeschlagenen Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944.
Bei der deutsch-französischen Zeremonie am Abend würdigte der französische Staatspräsident die Anwesenheit Schröders bei den Feiern zur alliierten Landung als "sehr bewegenden Augenblick". Schröder verkörpere durch seine Teilnahme an diesen Zeremonien "den Frieden und die Aussöhnung, die Freiheit und die Demokratie".
Die Feierlichkeiten hatten in der Früh mit 21 Salutschüssen bei einer französisch-amerikanischen Zeremonie auf dem US-Soldatenfriedhof in Colleville begonnen. Chirac und Bush gedachten an den mehr als 9.000 Gräbern der Gefallenen des 6. Juni 1944. "Amerika würde es wieder tun für unsere Freunde", versicherte Bush.
Insgesamt waren am Sonntag 13 offizielle Feiern entlang der fünf Landungsstrände von 1944 vorgesehen. Zu den Zeremonien waren rund 20.000 Gäste geladen. Mehrere hunderttausend Besucher kamen in die Normandie, mehr als 15.000 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz. Am 6. Juni 1944, dem so genannten D-Day, waren 155.000 alliierte Soldaten an fünf Stränden in der Normandie gelandet. Elf Monate später endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Deutschlands.
(apa/red)
