Donnerstag, 3. Juni 2004

Bush auf Europareise: Papst übt harte Kritik an Irak-Krieg und Folterungen!

  • US-Präsident traf auf Ciampi und Berlusconi
  • BILDER: 200.000 bei Demo gegen Bush in Rom

Von heftigen Protesten war am Freitag der Besuch von US-Präsident George W. Bush in Rom begleitet. 200.000 Menschen demonstrierten in der Innenstadt Roms gegen Bush und den Irak-Krieg. Papst Johannes Paul II. empfing Bush im Vatikan und forderte eine rasche Normalisierung der Lage im Irak. Bush traf auch mit dem italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zusammen.

"No war, no Bush": Hinter einem riesigen Spruchband mit diesem Slogan zogen Hunderttausende Globalisierungsgegner, Anhänger linksorientierter Parteien und katholischer Bewegungen und Gewerkschaftsmitglieder durch die Innenstadt von Rom, um den sofortigen Abzug westlicher Truppen aus dem Irak zu fordern. Nach Angaben der Demonstranten beteiligten sich zirka 200.000 Personen an der Friedenskundgebung. Die Protestierenden riefen Slogans gegen US-Präsident Bush und gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Bei den Demonstrationen kam es auch zu Zusammenstößen zwischen Protestierenden und der Polizei. Auch in anderen Städten wie Mailand und Neapel gab es Proteste.

Papst Johannes Paul II. hatte zuvor bei einem Treffen mit Bush im Vatikan gefordert, die Situation im Irak müsse unter Beteiligung der internationalen Gemeinschaft und der UNO "so schnell wie möglich" normalisiert werden. Er sei "sehr beunruhigt über die anhaltenden schweren Unruhen im Nahen Osten, sowohl im Irak als auch im Heiligen Land", sagte der Heilige Vater.

Bush verlieh dem Papst die Freiheitsmedaille, den höchsten zivilen Orden der Vereinigten Saaten. Der Papst sei "ein Symbol für Frieden und Freiheit" und habe geholfen, den Kommunismus zu besiegen. "Sie sind ein Held unserer Zeit", lobte der US-Präsident den Papst.

Am Nachmittag gedachten Bush und Berlusconi der Opfer des Nazi-Massakers in den ardeatinischen Höhlen. Bush legte an der Gedenkstätte einen Lorbeerkranz nieder. SS-Angehörige hatten im März 1944 in den Gängen des Steinbruchs 335 italienische Zivilisten erschossen, darunter viele Juden.

Zuvor war Bush mit dem italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi zusammengetroffen. Ciampi hob nach dem Treffen die Rolle hervor, die die USA vor 60 Jahren bei der Befreiung Italiens und Europas vom Nazi-Faschismus gespielt haben. US-amerikanische und alliierte Truppen hatten Rom vor genau 60 Jahren von den deutschen Besatzern befreit. (apa)

3.6.2004 21:25