Donnerstag, 3. Juni 2004

Razzia in Deutschland: Ärzte testeten jahrelang heimlich Medikamente

  • 1 Patient gestorben, Staatsanwaltschaft ermittelt
  • Gier als Motiv für Medikamenten-Tests an Patieten?

Wegen des Verdachts illegaler Medikamententests an Patienten des Gießener Universitätsklinikums werden dienstrechtliche Konsequenzen für einen Chefarzt geprüft. Dies bestätigte die Gießener Hochschule. In dem Krankenhaus sollen Mediziner, die bei dem Chefarzt beschäftigt waren, über Jahre hinweg bei schweren Operationen Versuchsreihen mit verschiedenen Wirkstoffen durchgeführt haben.

Wie viele Patienten betroffen sein sollen, ist nach Darstellung der Gießener Staatsanwaltschaft bisher nicht bekannt. Zehn Ärzte stehen unter dem Verdacht, sich an den Studien beteiligt zu haben. Die Erkenntnisse der Versuchsreihen sollen in Forschungsarbeiten geflossen sein, mit denen die Mediziner einen Doktor- oder Professorentitel erlangen wollten. Im wesentlichen soll es sich der Anklagebehörde zufolge um bereits zugelassene Medikamente gehandelt haben.

Die Unterlagen, die bei einer bundesweiten Razzia am Mittwoch beschlagnahmt wurden, müssten zunächst ausgewertet werden, sagte ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft hatte 23 Kliniken, Arztpraxen und Wohnungen in ganz Deutschland durchsuchen lassen.

An den Kranken wurden ohne Einwilligung illegale Versuchsreihen mit diversen Wirkstoffen durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge, weil ein Patient an Blutungen gestorben sein soll. Am Donnerstag zog Universitätspräsident Prof. Stefan Hormuth die Notbremse: Bei einer Anhörung musste der Narkose-Chefarzt, der für die Testreihen verantwortlich sein soll, bei seinem Vorgesetzten Rechenschaft ablegen. Möglicherweise droht ihm die Suspendierung. (apa)

3.6.2004 16:41