Montag, 31. Mai 2004

"Strafe" für Truppen-Entsendung: Russen drehen Georgien den Strom ab

  • Georgien hatte 400 Mann nach Südossetien geschickt

Russland hat der Kaukasusrepublik Georgien am Montag den Strom abgestellt und damit auf die Entsendung georgischer Truppen an die Grenze zur abtrünnigen Republik Südossetien reagiert. Die Elektrizitätsversorgung in der Kaukasusrepublik fiel am Abend aus. Georgien hatte zuvor 400 Soldaten an die Grenze entsandt.

Im Fernsehen waren schwere Artillerie und gepanzerte Mannschaftswagen zu sehen. Offiziell wurde die Entscheidung mit der Bekämpfung des Schmuggels begründet. Das russische Außenministerium sprach von vorgeschobenen Entschuldigungen; die Truppenentsendung destabilisiere die Lage.

Der georgische Präsident Michail Saakaschwili versicherte im Fernsehen, er wolle Ossetien nicht angreifen. In einem Telefonat erklärte er dem russischen Präsidenten Putin sein Vorgehen. Das Gespräch sei "warm" gewesen, sagte Saakaschwili weiter. Kurz nach seiner Ansprache wurde der Strom abgestellt. Der selbst ernannte Präsident Südossetiens Eduard Kokojti drohte mit Gewaltanwendung, falls die georgischen Truppen die Grenze überschritten.

Anfang Mai hatte sich Saakaschwili bereits im Machtkampf mit der ebenfalls abtrünnigen Region Adscharien durchgesetzt und die Provinz seiner direkten Verwaltung unterstellt. Der 36-jährige Präsident, der erst im Jänner zum Nachfolger von Eduard Schewardnadse gewählt wurde, kündigte daraufhin an, auch Südossetien und Abchasien wieder unter seine Kontrolle bringen zu wollen. Nordossetien gehört zu Russland. Südossetien hatte sich 1991 von Georgien losgesagt.(apa)

31.5.2004 22:41