"Wir töten keine Muslime": Überlebende Geiseln berichten über das Terror-Drama
- Westliche Ausländer und Amerikaner im Visier
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·Zwei Festnahmen nach Geiseldrama
Waren sie am Überfall auf die Ölanlage beteiligt?
·Geiselbefreiung fordert mehrere Tote
Kommandotruppen stürmten Wohnanlage
·Die BILDER des blutigen Dramas!
Spezialeinheiten stürmten die besetzte Wohnanlage
·Terrorakte in Saudiarabien
Überblick: Chronologie
der Anschläge
·El Kaida kündigt weiteren Terror an!
Arabische Halbinsel von
"Ungläubigen säubern"
Für den indischen Computerfachmann Baskar Benkataramani war es eine ganz normale Dienstreise, als er am Freitag wie schon so oft im saudischen Erdölzentrum Khobar eintraf. Doch dann erlebte der sonst in Dubai tätige 44-jährige Projektmanager die 24 schrecklichsten Stunden seines Leben. Vier Extremisten überfielen sein Hotel und gingen auf der Suche nach Ausländern von Tür zu Tür. 22 Menschen fielen dem Terroranschlag zum Opfer.
Ein Anruf bei der Rezeption rettete Benkataramani am Samstag das Leben. Er wollte den Reparaturdienst anfordern, doch der Hotelangestellte sagte ihm eindringlich: "Bleiben Sie in Ihrem Zimmer! Verschließen Sie die Tür und lassen Sie den Schlüssel stecken! Öffnen Sie niemandem die Tür!" Zur Begründung sprach der Mann nur von einem Sicherheitsproblem.
Wenige Augenblicke später hörte Benkataramani Schüsse, Schreie und laute Explosionen. "Jemand klopfte an meine Tür", berichtete der Überlebende nach seiner Rückkehr nach Dubai. "Ich schaute durch den Türspion und sah einen Hotelangestellten mit zwei Schusswaffen, die auf seinen Kopf gerichtet waren." Entsetzt kroch er unters Bett und verhielt sich so still wie möglich. "Draußen konnte ich das metallische Geräusch von Handgranaten hören, wie sie über die Fliesen rollten, ehe sie explodierten."
Mit seinem Mobiltelefon rief er einen Kollegen an, der vor dem Hotel bei den Sicherheitskräften war. "Ich wurde ungeduldig. Ich fragte ihn, ob ich nicht aus dem Fenster springen könnte. Vielleicht würde ich mir die Beine brechen, aber zumindest würde ich am Leben bleiben." Aber die saudischen Sicherheitskräfte rieten dem Eingeschlossenen, sich weiter versteckt zu halten.
So schloss sich Benkataramani im Bad ein. Aus Angst, bei einer Explosion von Glassplittern verletzt zu werden, bedeckte er den Spiegel mit Handtüchern. Schließlich drangen Angehörige einer Spezialeinheit am Sonntagmorgen in das Hotelgebäude ein. Sie brachen auch das Zimmer zu seinem Hotel auf und gaben sich als Sicherheitskräfte zu erkennen. Benkataramani wurde in den 5. Stock gebracht, wo schon andere Gäste darauf warteten, in Sicherheit gebracht zu werden.
"Wir töten keine Moslems"
Noch um einiges kritischer war die Situation für den irakisch-amerikanischen Ingenieur Abu Haschem. Er war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als er Schüsse aus dem Hotel hörte. Da kehrte er zurück, um nach seiner Frau und seinen beiden Kindern zu schauen. Auf dem Gang zu seinem Apartment sah der 45-jährige Ingenieur Blut und traf dann auf vier saudi-arabische Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren.
"Ich fragte sie: 'Seid Ihr Wachleute?' Sie antworteten: 'Ja, das sind wir.' Dann fragten sie: 'Bist du ein Muslim?' und ich sagte 'Ja.'" Als sie nach einem Beweis dafür fragten, wurde Abu Hashem klar, dass er mitnichten Wachleute vor sich hatte. Er zeigte seine Aufenthaltsberechtigung, auf der festgehalten ist, dass er Muslim ist. "Da sagten sie: 'Du bist Amerikaner'. Ich erklärte ihnen, dass ich amerikanischer Muslim bin. Sie sagten: 'Wir töten keine Muslime'." Dann seien sie sogar richtig höflich geworden und hätten sich für ihr Eindringen entschuldigt.
Die Extremisten hielten Abu Hashem einen Vortrag über die richtige islamische Lebensweise und sagten ihm: "Wir verteidigen unser Land und wir wollen es von den Ungläubigen an uns nehmen" - ein Hinweis auf die saudische Königsfamilie.
Ein anderer Bewohner der Hotelanlage Oasis, Abdul Salam al Hakawati, versteckte sich zusammen mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn im Obergeschoss seines Hauses. Im Erdgeschoss hörte der 38-jährige Finanzfachmann aus Libanon, wie bewaffnete Männer herumliefen. Einer sagte: "Das ist ein muslimisches Haus" - offenbar wegen der eingerahmten Koranverse an den Wänden.
Westliche Ausländer und Amerikaner im Visier
Dann kam ein junger Mann mit einem Maschinengewehr und einem Munitionsgürtel nach oben und fragte ihn auf Arabisch, ob er Muslim sei. Nach der positiven Antwort sagte der Mann nach dem Bericht Al Hakawatis: "Wir wollen nur westlichen Ausländern und Amerikanern etwas tun. Können Sie uns sagen, wo wir sie finden?"
Al Hakawati antwortete, dass er neu in der Anlage sei. Der Bewaffnete verabschiedete sich mit den Worten: "Unser Heiliger Krieg richtet sich gegen Amerikaner und westliche Ausländer, nicht gegen Muslime." (apa/red)
