Montag, 31. Mai 2004

Aufgriff in Moschee: Zwei Extremisten nach Geiseldrama festgenommen

  • Saudiarabien fürchtet jetzt um Auslandsinvestitionen
  • PLUS: 'Wir töten keine Muslime' - Augenzeugenbericht!

Bei der Fahndung nach den flüchtigen Extremisten in der saudiarabischen Stadt Khobar hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Ihnen werde die Verbindung zu terroristischen Kreisen zur Last gelegt. Bei einer Anschlagserie und der anschließenden Geiselnahme waren insgesamt 22 Menschen, zumeist Ausländer, getötet worden. Durch den Anschlag ist Saudiarabien jetzt um Auslandsinvestitionen besorgt.

Bei der Aktion umstellten mehrere Polizeifahrzeuge eine Moschee in Khobar. Ein Anwalt, der den Einsatz von seinem benachbarten Büro aus beobachtete, sagte, dass der Muezzin und seine Frau verhaftet worden seien.

Bei der Erstürmung der Ausländer-Wohnanlage in Khobar wurde nur einer der vier Täter verhaftet, bei dem es sich um den Anführer der Terrorzelle handeln soll. Die drei anderen benutzten nach Angaben des Innenministeriums Geiseln als menschliche Schutzschilde.

Sie entkamen mit einem Lastwagen und ließen ihre Geiseln zurück. In der Nachbarstadt Dammam zwangen sie einen Autofahrer, ihnen ihren Wagen zu überlassen, wie ein Polizeibeamter mitteilte.

Der Terrorüberfall begann, als die Terroristen ein Gebäude stürmten, in dem sich die Büros mehrerer westlicher Ölfirmen befinden, und dort wahllos um sich schossen. Später verschanzten sie sich in der Wohnanlage Oasis.

Nach Auskunft eines Diplomaten hatten sie während der Geiselnahme neun ihrer Geiseln brutal umgebracht, bevor die Spezialeinheit mit Hubschraubern auf dem Dach des besetzten Wohnkomplexes landen und die Geiselnahme gewaltsam beenden konnte.

El Kaida bekennt sich zu Anschlag
In einer angeblich im Namen der El Kaida des Extremisten Osama bin Laden veröffentlichten Mitteilung im Internet bekannte sich diese zu dem Anschlag und der Geiselnahme in der Ölmetropole Chobar. Das Ziel sei, die Geburtsstätten des Islam von den "Ungläubigen" zu säubern, hieß es.

In einer angeblich vom El-Kaida-Chef in Saudiarabien, Abdulaziz al Mukrin stammenden Tonband-Erklärung wurde zudem damit gedroht, dieses Jahr werde für Saudiarabien ein "blutiges und elendes" werden. Die Regierung des Königreichs hat den Extremisten, die mit ihren Gewaltaktionen eine Destabilisierung in Saudi-Arabien erzielen wollen, den Kampf angesagt.

Saudiarabien um Auslandsinvestitionen besorgt
Nach dem Terroranschlag im Erdölzentrum Khobar befürchtet Saudiarabien negative Auswirkungen auf künftige Auslandsinvestitionen.

Der saudische Ölminister Ali Naimi traf mit Managern westlicher Ölkonzerne zusammen, um dem Eindruck einer zunehmend kritischen Sicherheitslage entgegenzuwirken. Nach Informationen aus Regierungskreisen soll der Schutz von ausländischen Unternehmen verstärkt werden. (apa/red)

31.5.2004 07:08