Mittwoch, 26. Mai 2004

Haiders Angriff: Er warnt FPÖ-Spitzen vor ÖVP-Neuwahl-Plänen & Polit-Partnertausch

  • Der FPÖ-Fädenzieher warnt seine Partei: VP plant Polit-Partnertausch.
  • Warum es in der Koalition wieder heftigst kriselt. Und die ÖVP Justiz-

Haider greift frontal an: „ÖVP-Landeschefs basteln an Schwarz-Grün. FPÖ muss für Neuwahl gerüstet sein.“

Eigentlich, sagt Jörg Haider kokett, hätte er ja „in Kärnten mehr als genug zu tun“. Immerhin führe er dort eine „einzigartige blau-rote Koalition“ an, die er – getreu seinem alten Motto „Am Kärntner Wesen könnte diese Republik genesen“ – nach der nächsten Nationalratswahl auch bundesweit angelobt sehen möchte. Und so habe er eben auch keine rechte Lust, den einst heiß umkämpften FPÖ-Vorsitz zu übernehmen oder sich gar um die EU-Wahl am 13. Juni zu kümmern, kolportieren denn auch sämtliche „Haiderologen“ quer durch Österreich – sehr zur Freude der ÖVP und von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

Haiders Forderungen. Doch wer dem Kärntner Landeshauptmann genauer zuhört, weiß, dass es ihn längst zurückzieht auf jenen blauen Chefsessel, den er so viele Jahre okkupiert hatte. Dass es ihn längst wieder reizt, auch die Geschicke der beinah stillstehenden schwarz-blauen Bundesregierung in Wien wieder maßgeblich mitzubestimmen – sehr zum Missfallen der ÖVP.

Nur ändern müsse sich halt jede Menge, damit der Ex-FP-Chef, den mittlerweile der Großteil seiner Partei als „Erlöser“ aus der blauen Dauerkrise zurückwünscht, wieder aus dem Schmollwinkerl zurückkehrt und sich erbarmt, die Seinen zu führen. Bis spätestens nach der für die FPÖ so schwierigen EU-Wahl müsse das FPÖ-Regierungsteam denn neu aufgestellt werden und die Blauen auch thematisch zu ihren Wurzeln zurückkehren, fordert Haider. Denn Haider sieht Gefahr in Verzug.

„VP bastelt an Schwarz-Grün.“ Im NEWS-Interview lässt Haider jedenfalls mit innenpolitischem Sprengstoff aufhorchen: „Die VP-Landeshauptleute wollen Wolfgang Schüssel in die EU wegloben und basteln an Schwarz-Grün.“

Sollte der Kanzler tatsächlich EU-Kommissionspräsident werden, wie es sich etwa die deutschen Konservativen vorstellen könnten, dann wären laut Haider „Neuwahlen die Konsequenz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Pröll, oder wie immer Schüssels Nachfolger heißen würde, mit der FPÖ regieren könnte.“ Aber auch an seine Partei richtet Haider eine klare Botschaft: „Das muss der FPÖ-Spitze in Wien klar sein, damit sie nicht wieder durch Neuwahlen überrascht wird, wie 2002. Wer einen Fehler zweimal macht, ist dumm.“

Übertreibt Haider mit seinen Neuwahlgerüchten? Oder versucht er gar nur der ÖVP den schwarzen Peter zuzuschieben? Nicht unbedingt, denn schließlich sind der ÖVP die innerparteilichen Probleme der FPÖ nicht verborgen geblieben. „Seit Monaten geht in der Regierung nichts mehr weiter. Kaum macht man mit den Blauen etwas aus, nehmen sie es schon wieder zurück“, beschwert sich ein schwarzer Minister über die Mühseligkeiten des schwarz-blauen Arbeitsablaufes. In den schwarzen Ländern steigt denn auch die Wut über die gar nicht gut funktionierende Koalition in Wien. „Wir zahlen ja die Zeche“, spielt ein schwarzer Landeshauptmann auf die für die ÖVP so schmerzhaften Verluste bei den letzten Landtagswahlen, der Arbeiterkammerwahl und der Präsidentschaftswahl an.

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26.5.2004 16:06