Arabella Kiesbauers Fernseh-Attacke
- Nach zehn Jahren macht sie Schluss mit dem Talk.
- Nun plant sie Auszeit in Borneo und Rückkehr nach Wien.

Abrechnung: In Deutschland wird lieber quotenbringende Scheiße produziert!
Edmund Stoiber wollte die Show schon vor mehreren Jahren verboten wissen. Wieder und wieder war der gottesfürchtige Politiker zusammengezuckt, wenn da zum jugendfreien Fernsehnachmittag Themen wie Ich bin sexsüchtig diskutiert wurden. Jetzt erfüllt die Urheberin des sündhaften Palavers halb freiwillig die Forderung des bayrischen Ministerpräsidenten: Arabella Kiesbauer, 34, liquidiert nach zehn Jahren nie ermattender Dialogbereitschaft die Talkshow Arabella (PRO 7, täglich 14 bis 15 Uhr). Am 4. Juni hält sie nach mehr als 2.500 Sendungen die finale Klappe: Die Seherzahlen haben nicht mehr gestimmt.
Die Schuld sieht sie bei den Fiction-Shows mit Laiendarstellern, die das Fernsehprogramm überschwemmen. Da sei für Menschen und die ihnen gewachsenen Schnäbel kein Platz mehr. Werteverfall im deutschen Privatfernsehen ortet sie bei dieser Gelegenheit.
Flucht nach Borneo. Im Juli und August verschwindet sie für sechs Wochen nach Malaysia. Mit geschultertem Rucksack will sie Borneo erkunden. Ich habe nur einen Flug hin und retour gebucht. Der Rest ergibt sich vor Ort. Freund Florens und eine Freundin werden sie nur über kurze Strecken begleiten, ansonsten ist sie allein unterwegs und nächtigt in Strohhütten am Strand. Es ist der Reiz, sich wieder nur mit sich auseinander setzen zu müssen.
Hauptwohnsitz Wien? Für Herbst plant sie das berufliche Comeback beim heimatlichen Sender ORF: Die Casting-Reality-show King and Queen of Austria könnte im Oktober starten. Sicher ist die Rückübersiedlung nach Wien in jedem Fall. Binnen fünf Monaten hat sich die Beziehung zum Internet-Unternehmer Florens Eblinger dank mehrerer Kurztrips nach Mallorca und Kitzbühel gefestigt. Nach Werbeauftritten für Almdudler stehen im Juni die Aufnahmen für einen Merkur-Spot an: Als kritische Kundin bedrängt sie den Großgreißlerei-eigenen Tester Mister Anonym und lukriert dafür eine halbe Million Euro. Mitte Juni ist zumindest dieses Ergebnis im ORF zu begutachten.
NEWS: Nach 10 Jahren beenden Sie Arabella. Weshalb?
Kiesbauer: Vor zwei Jahren ging das los mit den Laiendarstellern bei anderen Talkshows. Ich hab damals gesagt, dass es das bei mir nur über meine Leiche geben wird. Nur: Der Zuschauer muss diese Haltung goutieren, und wenn er es nicht tut, dann höre ich auf. Und genau das ist jetzt passiert.
NEWS: Was halten Sie vom Trend zu fiktiven Gerichtsshows?
Kiesbauer: Für mich ist das Trash in seiner reinsten Form. Aber anscheinend will der Zuschauer in eine Scheinwelt entführt werden.
NEWS: Sehen Sie sich als Opfer?
Kiesbauer: Nein, das ist eben Teil des Geschäfts, und ich weiß: Letztendlich steht und fällt alles mit der Quote. Gerade jetzt im deutschen Fernsehen das ist ja auch das Problem. Es wird einfach weniger auf Niveau geachtet.
NEWS: Verkauft das deutsche Fernsehen das Publikum für blöd?
Kiesbauer: Man hat teilweise das Gefühl, da wird Fernsehen gemacht nach dem Motto: Produziert Scheiße, eine Milliarde Fliegen können nicht irren. Nur, so muss es ja nicht laufen!
NEWS: Sie haben Kolleginnen
wie Alexandra Kamp als niveaulos kritisiert. Was stört Sie?
Kiesbauer: Ich stelle einen gewissen Werte- und Sittenverfall fest. In ganz Deutschland eigentlich. Es ist nun einmal so, dass nicht jeder, der sich heutzutage eitel vor einer Kamera aalt, deswegen gleich ein Kollege ist.
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