Fußball-Revolution: Wie der TV-Deal die Kicker-Welt verändert
- Machtprobe: Beim TV-Vertrag zeigen die Klubpräsidenten Muskeln und trotzen damit Liga-Vorstand Peter Westenthaler. Liga-Boss Frank Stronach schlichtet.
- TV-liga total: So viel Fußball wie noch nie bringen Premiere Austria und ATVplus ab 14. Juli. Insgesamt fast 23 Stunden pro Runde.
Ursprünglich hatte Frank Stronach am Dienstagvormittag exakt eine Stunde für die Aufsichtsratssitzung der Österreichischen Fußball-Bundesliga in der Magna-Zentrale in Oberwaltersdorf reserviert.
Dann saßen die Herren (Mattersburg-Präsident Martin Pucher, Rapid-Boss Rudolf Edlinger, Leoben-Chef Anton Hirschmann) unter dem Vorsitz Stronachs doch über drei Stunden lang beisammen, um Tacheles zu reden. Mit am Tisch: das Liga-Vorstandsduo Peter Westenthaler und Thomas Kornhoff. Hauptgesprächsthema: der am Mittwoch vergangener Woche mit überwältigender Mehrheit beschlossene Umstieg der Liga in ein neues TV-Zeitalter, gegen den Westenthaler seither Sturm gelaufen war.
Franks Machtwort. Bei der Aufsichtsratssitzung sprach Stronach jetzt ein Machtwort: Die Mehrheitsentscheidung der Klubpräsidenten gilt. Und der Vorstand muss diesen Beschluss vollinhaltlich mittragen. Auch die nächste Watschn für den Marketingvorstand saß: Die Schlussverhandlung mit den neuen Medienpartnern Premiere und ATV plus führt ab sofort Liga-Vizepräsident und Mattersburg-Boss Martin Pucher. Angeblich nicht zuletzt deswegen, weil sich Premiere-Chef Georg Kofler geweigert haben soll, mit dem Liga-Marketingvorstand wegen dessen eindeutiger Präferenz für den ORF weiterzureden. Westenthaler ist jedenfalls am Verhandlungstisch nicht mehr mit von der Partie. Von einem Misstrauensvotum will der ehemalige FPÖ-Klubobmann dennoch nichts wissen. Westenthaler: Pucher war immer und ist unser Verhandlungsführer. Ich habe ja nur Unterverhandlungen geführt. Die sind nun beendet.
Was den Wechsel der Liga-TV-Rechte vom ORF zu Premiere und ATV plus anlangt, bleibt er aber nach wie vor skeptisch: Ich habe meine Bedenken auch deshalb so deutlich geäußert, damit mir in ein, zwei Jahren niemand einen Vorwurf machen kann, wenns schief geht.
Mission completed. Ob er allerdings unter den neuen Voraussetzungen seinen bis 2006 laufenden Vertrag erfüllt, lässt Westenthaler noch offen: Nach dem endgültigen Beschluss über den TV-Vertrag Anfang Juni kann ich mit Fug und Recht behaupten: Mission completed. Die Liga bekommt so oder so den besten TV-Vertrag in ihrer 30-jährigen Geschichte. Danach werde ich im Urlaub während der Fußball-EM in Portugal überlegen, welche Ziele mich in der Liga noch reizen. Mein Herz schlägt nach wie vor für den Fußball. Aber es gibt sicher auch andere interessante Aufgaben. Einer wie ich ist ja praktisch immer am Markt.
Lob von Edlinger. Für Rapid-Präsident und Liga-Aufsichtsrat Edlinger ist der Konflikt mit Westenthaler rund um den Grundsatzbeschluss der Klubs für das Premiere-Angebot vorerst erledigt: Ich habe Frank Stronach in der Aufsichtsratssitzung ausdrücklich für seine klare Haltung in Sachen Mehrheitsentscheidung gedankt. Persönlich habe ich ja nichts gegen Westenthaler. Er muss in Zukunft halt akzeptieren, dass die letzte Entscheidung immer bei den Klubs liegt und er diese als Angestellter der Liga in der Öffentlichkeit auch mitzutragen hat. Im Übrigen sollte in der Liga ab sofort mehr darüber geredet werden, welche neuen Chancen sich für den österreichischen Fußball aus diesem Jahrhundertdeal ergeben, der den 20 Bundesligaklubs (T-Mobile Bundesliga, Red Zac Erste Liga) in den nächsten drei Jahren insgesamt 42 Millionen Euro bringt und eine TV-Präsenz in Premiere und ATV+ von knapp 1.400 Sendeminuten (das sind rund 23 Stunden) pro Meisterschaftsrunde.
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PLUS: Liga-Präsident Frank Stronach über den TV-Poker
PLUS: Sturm-Boss Hannes Kartnig über seine Ängste nach dem neuen Fernsehvertrag
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PLUS: Was Premiere Austria künftig bietet & was es kostet
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