Mittwoch, 26. Mai 2004

NEWS startet die große Anti-Drogen-Kampagne an den heimischen Schulen

  • Kampf den Drogen: Prominente wirken mit – von Heinz Fischer bis Christina Stürmer.

Der Schulreport: Jeder vierte Schüler hat bereits Erfahrung mit Drogen. Viele Schulen setzen auf Razzien im Klassenzimmer – statt Prävention.

Martin starb am Ostersonntag. Ein Drogencocktail wurde ihm zum Verhängnis. Er war erst 17 Jahre alt.

Tod eines Mitschülers. Bis vor zwei Jahren hatte er das Gymnasium in der 6.400-Einwohner-Stadt Horn in Niederösterreich besucht. Schulsprecher Sebastian Eschelmüller, der in die Parallelklasse von Martin ging, erinnert sich: „Er hat mit zwölf Alkohol getrunken, später Gras geraucht, dann mit chemischen Drogen experimentiert. Es ging ihm schlecht, weil sich seine Eltern getrennt haben. Martin hat die Schule abgebrochen, hat kurz gejobbt und dann in seiner Wohnung dahinvegetiert.“ Nachsatz: „In den vergangenen drei Jahren hat es in Horn zehn Drogentote gegeben. Alle waren zwischen 16 und 20 Jahre alt, darunter auch Schüler.“

Der Tod von Martin war an der ganzen Schule ein Thema, eine eigene Konferenz wurde dazu abgehalten. Als in einem Wiener Außenbezirk vor kurzem zwei Schüler im Unterricht mit Kokain erwischt wurden, schwieg die Schulleitung den unrühmlichen Vorfall kurzerhand tot. „Da wurde doch nur etwas Harmloses aufgebauscht“, so der knappe Kommentar des Direktors.

Tabuthema. Nach wie vor behandeln viele Lehrer Drogen an der Schule als Tabuthema – aus Angst, dass der Ruf ihres Hauses geschädigt werden könnte. Und das, obwohl es – so Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel – „an so gut wie jeder heimischen Schule Jugendliche gibt, die Erfahrung mit Suchtgift haben“. Der renommierte Psychotherapeut Andreas Mauerer, der sich auf den Suchtbereich spezialisiert hat, ergänzt: „Aufgrund meiner Berufserfahrung stelle ich die These auf, dass unter den 14- bis 16-Jährigen bereits 70 Prozent über Rauscherlebnisse Bescheid wissen und insgesamt knapp 40 Prozent illegale Substanzen probiert haben.“

Die NEWS-Aktion. Aus diesem Grund startet NEWS Österreichs größte „No Drugs“-Aktion für Schüler. An der Kampagne beteiligen sich schon jetzt zahlreiche Hauptschulen, Gymnasien und berufsbildende höhere Schulen aus dem ganzen Land. Die besten Präventionsprojekte werden in den nächsten NEWS-Ausgaben vorgestellt.

Viele Prominente unterstützen die NEWS-Aktion, von Armin Assinger über Vera Russwurm bis Christl Stürmer. Schirmherr ist der designierte Bundespräsident Heinz Fischer: „Wir dürfen vor diesem Problem nicht länger die Augen verschließen.“

Es ist ein Problem, das den städtischen Bereich gleichermaßen betrifft wie den ländlichen, Ost- genauso wie Westösterreich:

  • Aus einer burgenländischen Schulstudie geht hervor, dass bereits jeder Fünfte der 12- bis 19-Jährigen Erfahrung mit Cannabis hat. Acht Prozent haben schon biogene Drogen konsumiert, vier Prozent Ecstasy.

  • In Tirol geben sogar 22 Prozent der 14- bis 19-Jährigen an, Cannabis geraucht zu haben.

  • Am alarmierendsten ist aber das Ergebnis einer Grazer Erhebung, wonach mehr als die Hälfte (58,2 %) der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Cannabis versucht hat. Mit Partydrogen wie Ecstasy haben immerhin 15,4 Prozent experimentiert, mit Kokain 7,3, mit Speed 6 und mit Heroin 4,9 Prozent.

    Kiffen am Schulhof. Mitunter wird sogar am Schulhof in der großen Pause gekifft. Rosa F., 18, die ein Gymnasium in Wien-Döbling besucht: „Ich schätze, dass in meiner Schule jeder zehnte Schüler regelmäßig einen Joint raucht. Die Lehrer wissen zum Teil Bescheid, es wird relativ locker gehandhabt. Die Polizei war deswegen noch nie bei uns.“

    Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
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    26.5.2004 15:12