FORMAT über den Poker um Chefsessel bei TA: ÖIAG könnte Vorstand ausschreiben
- Trotz guter Zahlen und Anerkennung auf Finanzmärkten
- Verträge des Vorstands laufen in zehn Monaten aus
·"profil": Grasser sucht Telekom-Chef
Headhunter angesetzt um Sundt-Nachfolger zu finden
Trotz guter Zahlen und Anerkennung auf den Finanzmärkten könnte die Telekom einen neuen Vorstand bekommen. Die Hinweise verdichten sich, dass die ÖIAG die Jobs ausschreiben will. Im TA-Konzern macht sich Nervosität breit.
"Gott sei Dank funktionieren die Geschäfte gut", beschreibt Heinz Sundt, der Generaldirektor der Telekom Austria, recht lapidar die aktuelle Lage. Das klingt nicht nach Hochstimmung, sondern eher nach einem leisen Seufzer. Dabei hätte Sundt, 56, allen Grund zu jubilieren. Die Telekom Austria (TA) legte soeben makellose Zahlen für das erste Quartal 2004 vor.
Das Betriebsergebnis stieg in diesem Zeitraum um 11,6 Prozent auf 136 Millionen Euro. Der Nettogewinn schoss sogar um 88 Prozent auf den Rekordwert von 71 Millionen nach oben. Die Verschuldung der TA, die im internationalen Vergleich hervorragend dasteht, reduzierte sich alleine in den ersten drei Monaten um weitere 100 Millionen und hält nun bei 2,54 Milliarden Euro.
Was die Euphorie der Vorstände bremst, ist nicht nur der ruinöse Preiskampf in der Handysparte, sondern ein anderes, wenig erbauliches Thema: die Unsicherheit über die eigene Zukunft. Die Verträge des Spitzenquartetts laufen in zehn Monaten, Anfang April 2005, aus. Der Poker um die Wiederbestellung wirft aber schon seinen Schatten voraus und sorgt für heißen Diskussionsstoff in den Führungsetagen der Telekom. Denn in Kreisen des TA-Haupteigentümers ÖIAG und im Umfeld der Regierung verdichten sich die Hinweise, dass die Vorstandsjobs für das teilstaatliche Unternehmen auf jeden Fall neu ausgeschrieben werden sollen. Trotz der guten Performance.
Spätestens bis Jahresende muss künftige TA-Führung feststehen. So berichtet TA-Betriebsratschef Michael Kolek, der auch im ÖIAG-Aufsichtsrat sitzt: "Als ich das Thema der Vertragsverlängerungen ansprach, war die Reaktion, dass wie bei der VA Tech ausgeschrieben wird." Für Belegschaftsvertreter und Vorstände gleichermaßen eine Missachtung der erfolgreichen Arbeit. Die Staatsholding schweigt zu der heiklen Causa. Sie ist bemüht, vor dem geplanten Verkauf von 17 Prozent Telekom-Aktien jede Aufregung zu vermeiden (siehe Kasten Seite 42). Die Vorstandsfrage wird aber auch die Aktionäre auf der TA-Hauptversammlung am 3. Juni interessieren.
Spätestens bis Jahresende muss feststehen, wer die Telekom Austria künftig führt. Für neue Leute müsste die ÖIAG im Sommer den Suchprozess einleiten.
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