Freitag, 28. Mai 2004

Umberto Agnelli gestorben: Fiat-Boss erlag in Turin einem Krebsleiden

  • 69-jähriger übernahm erst im März 2003 Konzernführung
  • Auch Bruder Gianni & Sohn Umbertos starben an Krebs

Der Präsident des italienischen Automobilkonzerns Fiat, Umberto Agnelli, ist am Donnerstagabend in seinem Haus in der Nähe von Turin gestorben. Er erlag einem Krebsleiden, teilten Familienangehörige mit. Der 69-jährige Agnelli hatte erst im März 2003 die Führung bei Fiat übernommen, kurz nachdem sein Bruder Giovanni - ebenfalls an Krebs - gestorben war. Sein Gesundheitszustand hatte sich im Frühjahr rapide verschlechtert. Am 11. Mai konnte er nicht an der Fiat-Hauptversammlung teilnehmen. Drei Tage zuvor war sein Krebsleiden öffentlich bekannt geworden.

Schwere Krankheiten belasten in den letzten Jahren die Familie Agnelli stark. Agnellis älterer Bruder, Firmenpatriarch Giovanni Agnelli, war im Jänner 2003 an Krebs gestorben. Umberto Agnellis Sohn, Giovannino Agnelli, war im Dezember 1997 ebenfalls einem Tumor erlegen. Umberto Agnelli, der nach dem Tod seines Bruders das Ruder des Familienkonzerns übernommen hat, hatte intensiv an der Rettung der Autogruppe gearbeitet, die in den vergangenen Monaten die gravierendste Krise in ihrer hundertjährigen Geschichte erlebt hat. Er hatte im vergangenen November dem Wiener Top Manager Herbert Demel den Posten des Geschäftsführers der Autosparte anvertraut.

Der Tod des Großindustriellen löste tiefe Bestürzung in Italien aus. Silvio Berlusconi sprach von einem "großen Verlust für ganz Italien". "Der Tod Umberto Agnellis ist das Ende einer Ära. Für ganz Italien ist dies eine Zeit großer Trauer", kommentierte der Gewerkschaftschef, Luigi Angeletti, der in der akutesten Phase der Fiat-Krise mit Agnelli scharfe Verhandlungen um den massiven Stellenabbau im Turiner Konzern geführt hatte. "Wir hoffen, dass das Aktienpaket des Unternehmens weiterhin unter Kontrolle der Familie Agnelli bleibt", betonte Angeletti. Die Gewerkschaften befürchten, dass der Konzern nach dem Tod des Präsidenten zerschlagen und zerstückelt verkauft werden könnte.

Dutzende von Persönlichkeiten pilgerten am Freitagvormittag zur Luxusvilla La Mandria in den Hügeln um Turin, in dem Agnelli gestorben ist. "Er wird mir unheimlich fehlen", sagte Fiats Geschäftsführer Giuseppe Morchio, der nun den Konzern in einer schwierigen Übergangsphase leiten und den Generationswechsel fördern muss. Das Begräbnis ist am Samstag in Villar Perosa bei Turin in Privatform um 18 Uhr geplant. Eine Aufbahrungskammer, in der Agnellis Sarg aufgestellt wird, soll ab Samstagvormittag offen sein. Umberto Agnelli wird neben seinem Sohn Giovanni Alberto beigesetzt, der 1997 im Alter von 33 Jahren einem Tumor erlegen war.

Nach Agnellis Tod ist unklar, wer die Leitung des weltweit zehntgrößten Autobauer übernehmen wird. In der Übergangsphase wird der Geschäftsführer Morchio weiterhin die Verantwortung für die Gruppe tragen. Danach könnte Agnellis 27-jähriger Neffe John Philp Elkann das Ruder des Konzerns übernehmen. Er sitzt bereits seit sechs Jahren im Fiat Aufsichtsrat. (apa/red)

28.5.2004 07:41