Mittwoch, 26. Mai 2004

Zu wenig Lohn im Job: Immer mehr Menschen mit ihrem Gehalt unzufrieden!

  • Arbeiterkammer veröffentlicht neuen Arbeitsklima-Index
  • Betroffen sind alle - vom Hilfsarbeiter bis zum Akademiker

Zu wenig Lohn für zu viel Arbeit: Laut neuestem Arbeitsklima-Index sind immer mehr Menschen in Österreich mit ihrem Gehalt unzufrieden! Der Frust zieht quer durch alle sozialen Schichten - Klagen kommen von Hilfsarbeitern aber auch von Akademikern!

Immer mehr Arbeitnehmer sind mit ihrem Einkommen unzufrieden. Das geht aus dem jüngsten Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hervor, der am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.

"Besonders alarmierend ist, dass vermehrt auch gut Ausgebildete mit ihrem Geld nicht auskommen", so der Präsident der OÖ-AK, Johann Kalliauer. "Die Bundesregierung muss darauf reagieren - etwa mit Steuererleichterungen für Arbeitnehmer."

Die Einkommenszufriedenheit unter den heimischen Arbeitnehmern ist im heurigen Frühjahr mit 55 Indexpunkten auf den tiefsten je im Arbeitsklima-Index gemessenen Wert gefallen. Im Herbst 2003 hatte die Zufriedenheit noch 57 Punkte betragen. Immer weniger Menschen geben an, von ihrem Einkommen gut leben zu können.

Betrachtet man die Einkommenszufriedenheit im Detail, so fällt auf, dass sie vor allem bei den männlichen Erwerbstätigen mit 56 gegenüber 59 Indexpunkten im Vorjahr stark gefallen ist. Besonders prekär ist die Situation bei den Männern mit Lehre: Hier stürzte die Zufriedenheit um vier Punkte auf 53 Punkte ab. Mit 62 Prozent geben sechs von zehn Männern mit Lehre an, ihr Einkommen reiche "gar nicht" oder "gerade noch" aus.

Die sinkende Einkommenszufriedenheit trifft auch Arbeitnehmer mit höherer Qualifikation. Deren Einkommenssituation ist zwar generell besser, der Index ist aber dennoch von 63 auf 60 Punkte gefallen.

Hinsichtlich der unterschiedlichen Altersgruppen fällt auf, dass die Einkommenszufriedenheit bei den Jungen bis 25 Jahre mit 50 Indexpunkten auf einen historischen Tiefststand liegt. 65 Prozent der jugendlichen Erwerbstätigen geben an, mit dem Einkommen "nicht" oder "gerade noch" auszukommen.

"Diese Entwicklung ist ein Warnsignal, dass sich die soziale Kluft vergrößert. Auf der einen Seite stehen einige wenige Großverdiener, auf der anderen jene, die trotz Arbeit gerade noch über die Runden kommen", kritisiert Kalliauer. "Mit ihrer Pensions- und Steuerreform hat die Bundesregierung die Situation zusätzlich verschärft. Die Arbeitnehmer werden zur Kasse gebeten, die Reichen geschont. Statt mit der Senkung der Gewinnsteuer und der Lohnnebenkosten Geschenke an Großkonzerne zu machen, muss die Regierung die kleinen und mittleren Einkommen entlasten."

Der Arbeitsklima-Index ist ein Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus der Sicht der Arbeitnehmer. Der Arbeitsklima-Index untersucht, wie die Arbeitnehmer die Bereiche Gesellschaft, Betrieb, die Arbeit selbst und ihre berufliche Zukunft einschätzen. Die Berechnung des Arbeitsklima-Index beruht auf viertel- jährlichen repräsentativen Umfragen unter den österreichischen Arbeitnehmern. Zwei Quartalsstichproben von je 900 Befragten werden zur halbjährlichen Berechnung des Index zusammengelegt.

(apa)

26.5.2004 10:24