Dienstag, 25. Mai 2004

Sensation bei Alitalia: Neuer Geschäftsführer will die Hälfte der Manager entlassen

  • Neuer Chef Giancarlo Cimoli greift hart durch
  • Bord-Personal soll bei gleicher Bezahlung mehr arbeiten

Frischer Wind bei der maroden Fluggesellschaft Alitalia. Mit dem neuen Geschäftsführer Giancarlo Cimoli ist ein Revolutionär an der Spitze des Konkurs-Unternehmens. Seinem Sanierungskurs sollen 40 der bisher 80 Manager zum Opfer fallen, wie die Tageszeitung "La Stampa" berichtet.

Zugleich einigte sich Cimoli mit den Gewerkschaften über einen Plan zur Produktivitätssteigerung des Personals. Das Bordpersonal soll bei gleichem Gehalt mehr Stunden fliegen. Derzeit fliegt das Alitalia-Personal 477 Stunden pro Jahr, ihre Kollegen von Lufthansa und British Airways 630 Stunden. In den vergangenen Tagen hatte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi behauptet, das Alitalia zu viel Personal unter Vertrag habe. Derzeit beschäftigt die noch staatliche Fluggesellschaft 21.000 Personen.

"Auch wenn Cimolis Sanierungsplan Blut und Tränen kostet, muss er um jeden Preis umgesetzt werden", kommentierte der italienische Arbeitsminister Roberto Maroni. Cimoli hatte vorige Woche erklärt, zur Fertigstellung des Sanierungsplans seien drei bis vier Monate nötig. Der Geschäftsführer, der in den vergangenen Jahren die schwer verschuldeten italienischen Eisenbahnen gerettet hatte, gilt als talentierter Sanierer.

Die Regierung Berlusconi will Alitalia mit einer Kapitalerhöhung retten, an der sich auch der Staat beteiligen wird. Um die Insolvenz abzuwenden, will Rom außerdem für einen Überbrückungskredit garantieren, an dem auch private Investoren mitwirken sollen. "Die Beteiligung von Privatunternehmen an der Rettungsaktion ist eine notwendige Bedingung, damit die EU-Wettbewerbsbehörde den Plan genehmigt", hieß es aus Alitalia-Kreisen. (apa/red)

25.5.2004 14:21