Dienstag, 25. Mai 2004

Postbus-Privatisierung: Gewerkschaft läuft gegen drohenden Ausverkauf" Sturm!

  • Eklat bei HV: Postbus-Mitarbeiter besetzen Sitzungssaal
  • Betriebsrat will Postbus-Vorstand anzeigen

Die Gewerkschaft läuft gegen den drohenden Verkauf der Postbus AG Sturm. Der Betriebsrat will den Vorstand anzeigen. Rund 100 Postbus-Mitarbeiter hatten am 26. Mai den Sitzungssaal der Hauptversammlung (HV) gestürmt. Das Gremium ist darauf kurzer Hand in einen anderen Raum übersiedelt, und die Entscheidung noch vertagt. Und weitere Prostete wurden schon angekündigt!

Im Streit um den Teilverkauf der Österreichischen Postbus AG will der Betriebsrat den Vorstand anzeigen. Wie der Betriebsratsvorsitzende Robert Wurm erklärte, hat die Belegschaftsvertretung bereits vergangene Woche - gemäß Paragraf 111 des Arbeitsverfassungsgesetzes - einen Einspruch gegen die Wirtschaftsführung eingebracht.

Der Betriebsrat meint, dass der Postbus durch den Teilverkauf "in seiner Existenz gefährdet" werde. Außerdem wirft die Belegschaftsvertretung dem Vorstand vor, seine Auskunftspflicht im Aufsichtsrat vernachlässigt zu haben. Sowohl Eigentümer- als auch Arbeitnehmerinteressen würden "grob missachtet", heißt es in dem Einspruch.

Eklat bei Hauptversammlung
Knapp eine Stunde belagerten die Gewerkschafter und Postbus-Mitarbeiter den Sitzungssaal bei der Hauptversammlung am 26. Mai. Eine im Anschluss an die HV geplante Aufsichtsratssitzung wurde dadurch blockiert. In einer emotionalen Konfrontation mit ÖBB-Vorstand Schmidt und Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann warf die Gewerkschaft dem Management vor, Handlanger "politischer Willkür" zu sein. "Kampflos lassen wir uns nicht verschleudern", hieß es auf einem im Sitzungsaal ausgerollten Transparent. "Kein ordentlicher Kaufmann würde sein bestes Geschäft verkaufen", meinte ein aufgebrachter Gewerkschafter.

Die Vorstände wiesen die Vorwürfe zurück. Goldmann räumte zwar ein, dass sie - wäre sie Eigentümerin des Postbusses - kein Drittel verkaufen würde. Die Belegschaft könne aber "ganz sicher sein, dass sie bei der Umsetzung der Teilprivatisierung auf das Wohl des Unternehmens achten" werde. Schmidt, der nach wie vor hofft, dass es zu keinen neuen Streiks beim Postbus kommen wird, meinte: Der Eigentümer habe entschieden, in einem Rechtsstaat müsse man das akzeptieren.

Der ÖBB, die den Postbus im Vorjahr nur unter der Auflage des anschließenden Teilverkaufs übernehmen durfte, seien 70 Prozent des Postbusses immer noch lieber gewesen als gar kein Postbus. Trotz der Teilprivatisierung werde aber durch die Fusion von Bahn- und Postbus ein Unternehmen entstehen, dass größer sein werde als der jetzige Postbus und dass daher "am Markt besser bestehen" werde, meint Schmidt.

Die Gewerkschaft blieb dennoch bei ihrem Standpunkt. "Man kann eine Zerstörung nicht schönreden", meinte Wurm, der bereits mit weiteren Protesten bis hin zum Streik droht. Die Konfrontation bei der HV sei nur ein "Auftakt" gewesen, meint der Gewerkschafter. (apa)

25.5.2004 12:12