Dienstag, 25. Mai 2004

Parmalat-Prozess beginnt: Untersuchung über die 14-Mrd.-Pleite fast abgeschlossen

  • 32 Manager sind wegen Betrug angeklagt
  • Nach Sanierung sollen 4 Mrd. erwirtschaftet werden

Der Prozess um die Riesenpleite des italienischen Milchkonzerns Parmalat kommt ins Rollen. Die stellen am Mittwoch den Antrag auf Prozessbeginn vor dem Untersuchungsgericht. In dem Prozess werden 32 Manager des Nahrungsmittelkonzerns, darunter den Firmengründer Calisto Tanzi, wegen Betrugs angeklagt. Die Untersuchungen sind fast abgeschlossen.

Auf der "Schwarzen Liste" der Staatsanwälte stehen unter anderem auch die Ex-Finanzdirektoren der Gesellschaft Fausto Tonna und Luciano Del Soldato, die als Schlüsselfiguren im Skandal gelten.

In die entscheidende Phase sind auch die Ermittlungen um die Verwicklung amerikanischer Banken bei der Parmalat-Insolvenz geraten. Der Konzern war im Dezember unter einem Schuldenberg von 14,8 Mrd. Euro zusammengebrochen. Die Untersuchung soll im Juni abgeschlossen werden, berichtete die Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" in ihrer Dienstag-Ausgabe.

Parmalats Insolvenzverwalter Enrico Bondi wird am kommenden Freitag der Regierung die Schwerpunkte des neuen Sanierungsplans vorlegen, mit welchem dem Milchkonzern eine neue Zukunft garantiert werden soll. Bondi hat klare Regeln für die künftige Unternehmensführung festgelegt. Tochterfirmen in Steuerparadiesen werden nicht mehr erlaubt sein. Vorstandschef und Präsident kontrollieren sich künftig gegenseitig. Ehemalige Parmalat-Führungskräfte werden nicht in den neuen Vorstand aufgenommen. Draußen bleibt auch, wer 180 Tage vor der konstituierenden Sitzung mit dem Gericht zu tun hatte. Keine Chance auf ein Comeback haben damit Firmengründer Calisto Tanzi und Ex-Finanzchef Fausto Tonna.

Der insolvente italienische Nahrungsmittelkonzern Parmalat soll nach der Sanierung im Jahr 2007 einen Umsatz von rund 4 Mrd. Euro erwirtschaften. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) soll 490 Mio. Euro betragen, was 12 Prozent des Umsatzes ausmacht, geht aus einem Bericht des Parmalat-Beraters AT Kearney hervor, der den Entwicklungsplan für den Nahrungsmittelkonzern geprüft hat. (apa/red)

25.5.2004 10:35