Montag, 24. Mai 2004

Streik-Drohung: 95 Prozent der deutschen Fluglotsen wollen einen "Arbeitskampf"

  • Tarifverhandlungen in Deutschland vor dem Scheitern
  • Erste Arbeits-Niederlegungen erst für Spätsommer

In Deutschland drohen die Tarifverhandlungen mit den Fluglotsen zu scheitern. Eine überwältigende Mehrheit von 95,9 Prozent stimmten bei der Urabstimmung der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für einen Arbeitskampf, sollten die Tarifverhandlungen nicht den gewünschten Ausgang nehmen.

Erstmals droht in Deutschland ein groß angelegter Fluglotsenstreik: Eine überwältigende Mehrheit von 95,9 Prozent votierte bei der Urabstimmung der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für einen Arbeitskampf, wie die Organisation am Montag in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main mitteilte. 84 Prozent der mehr als 1.600 bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) beschäftigten Flutlotsen beteiligten sich den Angaben zufolge an der Urabstimmung.

Die Gewerkschaft appellierte erneut an die Deutsche Flugsicherung, sie als Partner bei den Tarifverhandlungen anzuerkennen und damit einen Streik abzuwenden. Obwohl die neu gegründete GdF inzwischen mehr als drei Viertel der dort beschäftigten Fluglotsen vertrete, verhandele die DFS bisher ausschließlich mit ver.di, bei der nur noch 200 bis 300 Beschäftigte organisiert seien. Anders als beim Bummelstreik der damals noch verbeamteten Fluglotsen 1973 könnten laut GdF-Sprecher Marek Kluzniak die inzwischen als Angestellte arbeitenden Luftraumüberwacher den Flugverkehr gravierend stören.

Der Vorstand der GdF wird sich den Angaben zufolge auf seiner Vorstandssitzung am Donnerstag und Freitag mit dem Votum seiner Mitglieder befassen und das weitere Vorgehen festlegen. Erneut appellierte die Gewerkschaft an die DFS, "durch umgehende Aufnahme von Tarifgesprächen mit der GdF eine weitere, völlig unnötige Eskalation der Situation und damit drohenden Schaden, sowohl für die Luftfahrtbranche als auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland abzuwenden". Die GdF sei sich ihrer Verantwortung bewusst und würde jegliche Streikmaßnahmen bedauern. Zugleich sehe sie aber "auf Grund der rational nicht mehr nachvollziehbaren, andauernden Verweigerungshaltung der DFS keine große Hoffnung auf eine Lösung im konstruktiven Gespräch".

Bei einem Streikvotum sollte es aber wohl erst im Spätsommer zum Ausstand kommen, wie Kluzniak vor einer Woche erklärt hatte. Die GdF habe sich bereit erklärt, ein vor dem Landesarbeitsgericht Frankfurt anhängiges Verfahren abzuwarten. In zweiter Instanz solle auf Berufung des Deutschen Flugsicherung geklärt werden, ob die Gewerkschaft zu einem Streik aufrufen darf. Das erstinstanzliche Urteil des Arbeitsgerichts Offenbach habe der GdF vollständig Recht gegeben. (apa/red)

24.5.2004 11:38