Freitag, 28. Mai 2004

Premiere-Chef Kofler verspricht: "Wir werden dem Fußball Ehre machen"

  • Pay-TV-Sender plant Abo-Sonderangebote
  • PLUS: Die TV-Pläne von Premiere & ATVplus im Detail

Ab Juli wird die Fußball-Bundesliga nicht mehr im ORF, sondern auf Premiere und ATVplus zu sehen sein. Am Freitag reiste Premiere-Chef Kofler nach Wien, um die sportinteressierte Öffentlichkeit mit Argumenten zu versorgen, warum dem heimischen Profifußball gar nichts besseres passieren konnte. Angereist aus Los Angeles, ist Österreich für ihn derzeit "wichtiger als Hollywood". Premiere will dem heimischen Fußball "Ehre machen" und dafür insgesamt 25 Millionen Euro pro Jahr ausgeben.

400 Leute pro Bundesliga-Wochenende werden für die Live-Übertragungen auf Premiere im Einsatz sein, was laut Kofler bei seinem Pressegespräch im Anschluss an die Bilanz-Pressekonferenz der Bundesliga acht bis zehn Millionen Euro kosten wird. Für die TV-Rechte legt Premiere heuer 15 Millionen ab, in den Folgejahren 14 Millionen und 13 Millionen. "Das ist ein Rekordinvestment in Österreich", so der gebürtige Südtiroler. Die Bundesliga erhält für die Zahlungen jährliche Bankgarantien.

ISPR könnte noch nachlegen
Einen Entwurf für diesen Vertrag werde man der Bundesliga noch am Wochenende übermitteln. Die ISPR als bisherige Rechteinhaberin kann diesen Vertrag laut einer Vorkaufsrecht-Klausel noch toppen - 30 Tage Zeit hätte sie dafür. Eine raschere Entscheidung sei ihm seitens der ISPR zugesichert worden, sagte Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler am Freitag. Kofler sieht diese Klausel indes skeptisch: Er zweifle an der "Rechtsqualität" und ob eine nochmalige Rechtevergabe der EU-Wettbewerbspraxis entspräche. Außerdem "macht man Geschäfte in dieser Größenordnung nicht mit einer Hintertür", hielt er fest. "Ich sehe auch keine."

Verdoppelung der Abos?
Rechnen soll sich Koflers "Rekordinvestment" innerhalb der drei Jahre, auf die der Vertrag abgeschlossen wird. Der Abonnement-Bestand soll von derzeit 170.000 auf 250.000 bis 300.000 gesteigert werden (Koflers "heimliche Hoffnung" liegt sogar bei 350.000), Sponsoring-Partner sollen zusätzlich die Kasse klingeln lassen. Wird es bei den Live-Übertragungen Werbung geben, fragten anwesende Journalisten. Kofler: Sponsorenhinweise ja, doch nicht in Dimensionen wie bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland oder Österreich. "So weit werden wir sicher nicht gehen". Keinesfalls werde es auch eine "Unterbrechung der Sendung" geben.

Sonderangebote geplant
Dass die bisherigen Liga-Sponsoren vom TV-Deal nicht begeistert sind und um die Reichweite fürchten, sieht Kofler gelassen. "Ich denke, dass sich diese Diskussion nach wenigen Wochen erledigt hat." Bundesliga-Vizepräsident Martin Pucher assistierte: Die gewohnten Reichweiten von "ein paar Hunderttausend" werde man wohl auch künftig erreichen. Premiere schnürt bereits Sonderangebote, um fußballgeneigte Abonnenten anzulocken. Der reguläre Preis für ein Abo von Premiere Österreich beträgt 9,90 Euro, da sei dann die deutsche Bundesliga und die Champions League auch gleich dabei. Und den "Preis von zwei Schachteln Zigaretten pro Monat" werde man sich doch leisten können, glaubt Kofler.

(apa/Red)

28.5.2004 15:32