Mittwoch, 26. Mai 2004

Finanzskandal beim FC Tirol: Ex-Bosse wegen fahrlässiger Krida angeklagt

  • Ex-Manager Hochstaffl wegen Untreue, Betrug und Urkundenfälschung angeklagt

Die Oberstaatsanwaltschaft Innsbruck hat die Anklageschrift im Zuge des FC Tirol Konkurses im Juni 2002 präsentiert. Die vorerst noch nicht rechtskräftige Anklageschrift gegen die ehemaligen Präsidenten Martin Kerscher und Othmar Bruckmüller, sowie gegen Manager Robert Hochstaffl wurde von Wirtschaftsstaatsanwalt Wilfried Siegele ausgearbeitet. Oberstaatsanwalt Eckart Rainer präzisierte die Anklagepunkte.

Kerscher und Hochstaffl wird darin vorgeworfen, vom 1. Mai 1997 bis Ende 1999 grob fahrlässig die Zahlungsunfähigkeit des Vereins dadurch herbeigeführt zu haben, dass sie krida-trächtig gehandelt hätten. Sie sollen einen übermäßigen Aufwand dadurch betrieben haben, dass der Kader 28 Spieler umfasst habe, und diesen Gehälter bezahlt hätten, die aus dem regulären Geschäftsbetrieb nicht finanzierbar waren.

Für die Zeit von 1. Jänner 2000 bis zum 25. Juni 2002 wird Kerscher, Bruckmüller und Hochstaffl vorgeworfen, in Kenntnis oder fahrlässiger Unkenntnis die Zahlungsunfähigkeit herbeigeführt zu haben, und auch grob fahrlässig die Befriedung von Gläubigern geschmälert zu haben. Unter anderem durch Abschluss des gewagten Geschäftes mit der US-Firma Parker Leasing, das nicht zum gewöhnlichen Wirtschaftsbetrieb des FC Tirols gehörte (Schaden: 593.132 US Dollar). Auch unverhältnismäßige Kreditaufnahmen (unter anderem bei Gernot Langes) wird ihnen vorgehalten. Das Strafausmaß für diese Anklagepunkte beträgt bis zu zwei Jahre Haft.

Vorwurf der Untreue
Dem ehemaligen Manager Robert Hochstaffl wirft die Innsbrucker Staatsanwaltschaft weiters vor, die Zahlungsunfähigkeit der FC-Tirol Marketing GesmbH herbeigeführt zu haben. Ein weiterer Anklagepunkt gegen Hochstaffl ist laut Staatsanwaltschaft Untreue. So soll er die ihm eingeräumte Befugnis bei der FC-Tirol Marketing (Verwertung der Persönlichkeitsrechte) wissentlich missbraucht haben. Dabei soll statt 4,031 Millionen Euro nur 3,878 Mio. netto den Spielern bezahlt worden sein, statt 2,660 Mio. nur 436.578 an das Finanzamt. Ein Betrag von 2,376 Mio. Euro soll einer vertragswidrigen Verwendung zugeführt worden sein.

Auch schwerer Betrug wird Hochstaffl vorgehalten: Er soll durch Täuschung Bruckmüller veranlasst haben, ihm einen Ferrari im Wert von 151.159 Euro zu überlassen. Weiters wird ihm Urkundenfälschung vorgeworfen: Hochstaffl soll ein fingiertes Schreiben der Bank Austria hergenommen und dadurch die Überweisung von 500.000 Euro verursacht haben.

Das Trio hat nun zwei Wochen Zeit, gegen die Anklageschrift Berufung einzulegen. Klaus Dorninger, Vertreter von Othmar Bruckmüller, der bei der Präsentation der Anklageschrift anwesend war, sagte im Anschluss: "Von 15 Anklagepunkten sind nur zwei kleine übrig geblieben. Ich bin sicher, dass es für meinen Mandanten einen Freispruch geben wird." (apa/red)

26.5.2004 14:19