BMW-Williams zieht Konsequenzen aus schwacher Saison: Neuer Technikdirektor
- Bisheriger Chefingenieur Sam Michael übernimmt
- Konzeptionelle Gesamtverantwortung bei Patrick Head
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Der Formel-1-Rennstall Williams-BMW hat personelle Konsequenzen aus dem bisher enttäuschenden Saisonverlauf gezogen. Ab sofort übernimmt Williams Technischer Direktor und Mitinhaber Patrick Head (57) die konzeptionelle Gesamtverantwortung für den Ingenieursbereich und zieht sich aus dem Alltagsgeschäft zurück. Neuer Technischer Direktor wird der deutlich jüngere Australier Sam Michael (33), der bisher Chefingenieur war.
In Monaco war zuletzt speziell in deutschen Boulevard-Medien sogar von einem Rauswurf Heads gesprochen worden - auch auf angeblichen Druck des unzufriedenen Motorenpartners BMW. Man hatte dem 57-Jährigen Williams-Mitbegründer und langjährigen Partner von Teamchef Frank Williams "veraltete Entwicklungsmethoden, militanten Führungsstil und Ideenlosigkeit" unterstellt.
Personalrochaden bedeuten Aufstieg für viel kritisierten Head
Stattdessen wurde Head, dessen Designs Williams immerhin neun Konstrukteurs- und sieben Fahrertitel gesichert haben, nach oben befördert. "Es ist aber keine Vorstufe zur Pensionierung, ich werde nicht weniger arbeiten müssen als bisher", beteuerte Head am Dienstag in London. "1990 bin ich vom Chefdesigner zum Technischen Direktor avanciert, die Zeit und die Gelegenheit sind nun passend für eine weitere Änderung", so Head.
Sam Michael (33) wechselte 2001 von Jordan zu Williams. Bei Jordan war er Renningenieur des derzeitigen Williams-BMW-Piloten Ralf Schumacher gewesen, davor hatte er u.a. für Lotus gearbeitet.
Die Änderungen bei Williams kamen nicht überraschend. Nach dem mäßigen Saisonstart war vor allem Head in die Kritik geraten. Der Rennwagen FW26 ist derzeit kaum siegfähig. Auch der Automobil-Konzern BMW, dessen Motor als der leistungsfähigster im WM-Feld gilt, war unzufrieden mit der bisherigen Bilanz. BMW-Technikvorstand Burkhard Göschel hatte Ende April bereits festgestellt: "So geht es nicht weiter. Es muss sich etwas ändern, und zwar schnell. Wir werden Williams jetzt auch in ihren Hoheitsgebieten unterstützen."
Head hatte vor dem Großen Preis von Monaco am vergangenen Sonntag zudem mit Äußerungen für Ärger gesorgt, dass Pilot Ralf Schumacher nach seinem schweren Test-Unfall im vergangenen September in Monza nicht mehr richtig in Form sei.
Vor dem Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring am Sonntag rangiert Williams-BMW in der WM-Teamwertung an vierter Stelle. Der Kolumbianer Juan Pablo Montoya ist Fünfter im Fahrerklassement, sein Teamkollege Ralf Schumacher Siebter.
Der Australier Sam Michael ist nun der neue Hoffnungsträger im Team. Der 33-Jährige, der 2001 zu Williams-BMW kam und zuvor bei Lotus und bei Jordan gearbeitet hatte, ist nun verantwortlich für das das Design, die Entwicklung und den Einsatz des Rennwagens. "Ich bin sehr froh, dass man mir ein solch großes Vertrauen entgegenbringt", sagte Michael, der zu Beginn seiner Zeit bei Williams-BMW Renningenieur von Ralf Schumacher war.
BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen begrüßte die Änderungen bei Partner Williams und die Vertiefung der Zusammenarbeit: "Als wir uns vor einem Jahr entschieden, die Partnerschaft zu erweitern, stimmten wir überein, dass ein Ziel sein würde, beide Seiten zu einer Einheit zusammenzuführen." So etwas passiere natürlich nicht über Nacht. "Es ist ein Prozess, der Zeit beansprucht. Die neue personelle Organisation bei Williams ist ein wesentlicher Schritt zu diesem Ziel."
(apa/red)
