Sonntag, 30. Mai 2004

Blutige Befreiungsaktion in Al Khobar:
Mehrere ausländische Geiseln getötet

  • Kommandotruppen stürmten bestzte Wohnanlage
  • BILDER: Spezialeinheiten beenden El Kaida-Terror

Die dramatische Geiselnahme in Saudiarabien ist nach 25 Stunden zu Ende gegangen: Dutzende Geiseln, darunter viele Amerikaner und Europäer, sind offenbar gerettet worden. Bei dem Überfall auf das ausländisches Wohnviertel in Al Khobar sind insgesamt 22 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte das Innenministerium in Riad mit. Unter den Opfern seien ein Amerikaner, ein Brite, ein Italiener, acht Inder und drei Filipinos, hieß es in der Erklärung des Innenministeriums. Ob sie bei dem Überfall selbst oder bei der anschließenden Geiselnahme getötet wurden, war zunächst unklar.

Die Angreifer hatten nach Schussgefechten mit Sicherheitskräften eine Wohnanlage für Ausländer besetzt, die am Sonntagmorgen von Spezialkräften der Polizei gestürmt wurde. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatten die Angreifer 45 bis 60 Menschen in ihrer Gewalt, darunter Amerikaner, Italiener und Niederländer.

Drei Terroristen wurden festgenommen
Der mutmaßliche Anführer der Terrorgruppe wurde nach Angaben eines Sicherheitsbeamten gemeinsam mit zwei Komplizen festgenommen. In einer im Internet verbreiteten Erklärung, die angeblich von einer Zelle des Terrornetzwerks El Kaida stammen soll, hieß es, alle Geiseln seien getötet worden.

Nach der Beendigung der Geiselnahme sind die Leichen von mindestens neun Menschen aus dem Gebäude getragen worden. Dies berichtete ein AFP-Korrespondent vom Ort der Geiselnahme im Osten Saudiarabiens. Eine freigelassene Geisel sagte, bei den neun Toten handle es sich um einen Italiener, einen Schweden und sieben Asiaten. Sie seien bei einem Fluchtversuch von den Geiselnehmern erschossen worden. Der Tod eines 25-jähriger Italieners wurde in der Zwischenzeit vom Außenministerium bestätigt.

Keine Österreicher unter den Opfern
Österreicher sind nicht betroffen, erklärte das Außenministerium in Wien. Nach den Worten des saudiarabischen Botschafters in den USA, Prinz Bandar bin Sultan, wurden sieben US-Bürger gerettet.

Die Befreiungsaktion begann in der Nacht, als schwer bewaffnete Soldaten von Hubschraubern auf das Dach der sechsstöckigen Wohnanlage absprangen. Dabei war immer wieder Gewehrfeuer zu hören. Die Angreifer waren am Abend in die Wohnanlage geflüchtet, nachdem sie ein Gelände von zwei Ölfirmen in der Stadt gestürmt und dabei nach offiziellen Angaben mindestens zehn Menschen getötet hatten.

Saudiarabische Zeitungen berichteten, dass die Terroristen mindestens eine Leiche aus dem Gebäude, in dem sie sich verschanzten, geworfen hatten. Zudem seien einige Leichen geschändet worden.

London warnt vor Terrorangriffen
Die britische Regierung hat vor weiteren "Terrorangriffen" in Saudiarabien gewarnt. Die Regierung glaube, dass die Vorbereitungen zu neuen Anschlägen und Angriffen bereits in der "Endphase" seien, erklärte das Außenministerium in London. Briten, die nicht unbedingt in das Land auf der arabischen Halbinsel reisen müssten, werde von Besuchen abgeraten. (apa/red)

30.5.2004 07:26