Arzt soll Irak regieren: Regierungsrat einigt sich auf Oppositions-Politiker Allawi
- Schiitischer Politiker unter Hussein Chef der Opposition
- UN reagiert mit spürbarer Verärgerung auf Entscheidung
·Iyad Allawi: Der Irak-Präsident im Porträt
Schiitischer Politiker war Gegner von Saddam
Der irakische Regierungsrat hat sich auf einen Kandidaten für das Amt des künftigen Ministerpräsidenten geeinigt. Der Neurologe Iyad Alawi soll nach der Machtübergabe am 30. Juni die Interimsregierung führen, gab ein Ratsmitglied am Freitag in Bagdad bekannt. Allawis Vorgänger Abdul Zahra Othman Mohammad, bekannt unter dem Namen Ezzedin Salim, war am 17. Mai bei einem Autobombenanschlag in Bagdad getötet worden.
Die Entscheidung für den schiitischen Politiker Iyad Allawi als neuer Chef der irakischen Regierungsrates sei einstimmig gefallen. Das gab das Ratsmitglied Mahmud Othman bekannt. An der Sondersitzung am Freitag in Bagdad nahm auch US-Zivilverwalter Bremer teil. Das Auswahlverfahren folge den Empfehlungen des UNO-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi, sagte Mustafa al Marayati, ein Mitarbeiter von Ratsmitglied Raja Habib al Khusaai. Brahimi ist damit beauftragt, die Übergangsregierung zusammenzustellen.
Mit spürbarer Verärgerung hat die UNO auf den Entscheid reagiert. Die Nominierung Allawis sei "eine irakische Auswahl", sagte UN-Sprecher Fred Eckhard. Er war auf Anfrage nicht bereit, zu erklären, dass die UN sie "begrüßen". UN-Diplomaten sehen darin eine Distanzierung. Die US-Regierung reagierte auf die Bekanntgabe am Freitag in Bagdad zunächst mit Zurückhaltung.
Allawi war während der Herrschaft von Saddam Hussein Generalsekretär der Oppositionsgruppe INA. Im Exil in London überlebte er 1978 einen Mordanschlag, den der irakische Machthaber in Auftrag gegeben haben soll. Als führender Kopf der Exil-Opposition wurde Alawi vom US-Außenministerium, dem US-Geheimdienst CIA und dem britischen Geheimdienst MI-6 unterstützt.
Indes sind trotz einer vereinbarten Feuerpause bei erneuten Gefechten zwischen schiitischen Rebellen und US-Soldaten in Najaf und Umgebung fünf Iraker getötet worden. Bewaffnete Mitglieder der Mehdi -Miliz des radikalen Schiiten-Predigers Al Sadr patrouillierten erneut durch die Straßen, nachdem sie am Vortag weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden waren. Damit blieb der genaue Status des Waffenstillstand-Angebots Sadrs von Donnerstag unklar.
(apa)
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