Mittwoch, 26. Mai 2004

Justizminister Ashcroft bestätigt: El Kaida plant Terrorangriff auf Ziel in den USA!

  • Fahndung nach "sieben gefährlichen Personen"
  • Deutschland nimmt Hinweise auf Anschläge sehr ernst

Die US-Regierung fürchtet, dass das Terrornetzwerk El Kaida in diesem Sommer einen schweren Anschlag in den USA verübt. US-Justizminister John Ashcroft und der Direktor des Bundeskriminalamtes FBI, Robert Mueller, präsentierten am Mittwoch in Washington sieben Steckbriefe mit Verdächtigen, die eine "klare und aktuelle Gefahr für die USA" bedeuteten. Diese Personen - eine Frau und sechs Männer - seien "bewaffnet und gefährlich".

El Kaida selbst habe bereits nach dem Anschlag in Madrid am 11. März angekündigt, dass die Vorbereitungen "für einen großen Anschlag in den USA zu 90 Prozent abgeschlossen" seien, sagte Ashcroft. Er bezog sich auf "verlässliche ... und beunruhigende Informationen" der US-Geheimdienste.

Die Äußerungen der Minister rücken den Kampf gegen den Terrorismus wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, den US-Präsident George W. Bush zu einem seiner zentralen Wahlkampfthemen gemacht hat. Zuletzt waren Bushs Umfragewerte vor dem Hintergrund von andauernden Kämpfen im Irak und Foltervorwürfen gegen US-Soldaten auf einen Tiefpunkt gefallen.

"Glaubwürdige Hinweise"
Es gebe "glaubwürdige" Hinweise auf einen möglichen größeren Terroranschlag", betonte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Diese seien nicht "spezifisch", würden aber sehr ernst genommen. Die Sicherheitsvorkehrungen würden bei bevorstehenden Großveranstaltungen verstärkt, wie bei der Eröffnung des Mahnmals für die Opfer des II. Weltkriegs in Washington am kommenden Samstag, dem G-8-Gipfel auf Sea Islands (US-Bundesstaat Georgia) in gut zwei Wochen sowie den Parteitagen zur Nominierung der Präsidentschaftskandidaten.

"Wir befinden uns in einer ernsten Zeit der Bedrohung und unsere Sicherheitskräfte sind 24 Stunden am Tag im Einsatz, um auf die Bedrohungen zu reagieren, mit denen wir es hier zu Hause zu tun haben", sagte McClellan. Er wies zugleich Vorwürfe zurück, die US-Regierung bausche die Terrorgefahr mit Blick auf die bevorstehende Wahl auf. "Das ist nicht der Fall", sagte er.

Fahndung nach El-Kaida-Aktivisten
Unter den sieben Verdächtigen sind die mutmaßlichen El-Kaida-Aktivisten Adnan G. El Shukrijumah und Aafia Siddiqui, meldete CNN unter Berufung auf Sicherheitskreise. Nach Angaben der US-Regierung wurde El Shukrijumah in Saudiarabien geboren, er dürfte jemenitischer Staatsbürger sein. Seine Familie lebt in Guyana, er dürfte auch einen Pass dieses Landes besitzen. Der Verdächtige benutzt den Angaben zufolge zahlreiche Decknahmen. Bei El Shukrijumah soll es sich um den strategischen Planer des El-Kaida-Netzwerks handeln. Er habe auch einige Zeit in Florida gelebt, hieß es in Sicherheitskreisen.

Die Namen von El Shukrijumah und Siddiqui wurden vom gefangenen El Kaida-Führers Khalid Shaikh Mohammed bei den Verhören genannt.

Ridge relativiert
Heimatschutzminister Tom Ridge schränkte in einem Interview des Senders CNN ein, dass es "absolut keine spezifischen" Hinweise auf Terrorattacken gebe. Zu diesem Zeitpunkt sei auch keine Anhebung der derzeitigen Terrorwarnstufe Gelb (erhöhtes Risiko) geplant.

Ein ranghoher Antiterrorexperte hatte zuvor bereits gesagt, die US-Behörden befürchteten für diesen Sommer einen größeren Terroranschlag. Der Regierung lägen Geheimdienstinformationen vor, wonach sich El-Kaida-Mitglieder oder andere Terroristen bereits in den USA befänden und den Anschlag vorbereiteten. Angaben über Zeitpunkt, Ort oder Methode des geplanten Anschlags gebe es nicht. Es seien aber die beunruhigendsten Informationen seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Der Experte bezeichnete die Informationen als äußerst glaubwürdig. Größte Sorge der Regierung ist nach Angaben des Gewährsmanns, dass die Terroristen im Besitz einer biologischen, chemischen oder atomaren Waffe sein könnten.

Keine Hinweise auf Anschläge in Deutschland
Die deutschen Sicherheitsbehörden halten die jüngste Terrorwarnung aus den USA nach den Worten des bayerischen Innenminister Günther Beckstein (CSU) für stichhaltig. "Wir nehmen das sehr ernst", sagte Beckstein im ZDF. Aus dem Zusammenfügen zahlreicher Bausteine ergebe sich eine drastisch erhöhte Gefährdung. Es gebe viele Hinweise, dass das Terrornetzwerk El Kaida und andere Gruppen, aber auch potenzielle Einzeltäter ihre Aktivität erhöht hätten.

Auch deren Mobilisierung habe stark zugenommen. Von ausländischen Sicherheitsbehörden kämen in kurzer Folge allgemeine Warnungen vor Anschlägen. Es gebe aber keine Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge in Deutschland, sagte Beckstein. (apa/red)

26.5.2004 07:23