Nach Todesdrama am Pariser Airport: Terminal wegen Einsturzgefahr gesperrt!
- "Knirschende Geräusche" im 700m langen Terminal 2E
- Pfusch beim Bau? Unglück forderte 4 Tote, 3 Verletzte
Stürzt der 700 Meter lange Terminal 2E am Pariser Flughafen Charles de Gaulle ein, in dem es zum tödlichen Drama kam? Weil "knirschende Geräusche" zu hören waren, wurde der komplette Unglücks-Terminal am Flughafen wegen akuter Einsturzgefahr vollständig geräumt. Dutzende von Feuerwehrleuten und Ermittlern mussten ins Freie flüchten. Sie waren mit Untersuchungen an jener Stelle beschäftigt, wo das Dach eingebrochen war. Das Unglück forderte vier Tote und drei Verletzte, drei der Todesopfer wurden mittlerweile identifiziert.
Das Knirschen wurde an beiden Seiten des etwa 30 Meter breiten Teilstücks der Durchgangshalle von Terminal 2E in dem zylinderförmigen Gewölbe gehört.
Die Betreibergesellschaft erwägt, das Terminal abzureißen. "Wenn die Bauelemente irreparabel sind, aus denen das Terminal zusammengesetzt ist, werden wir selbstverständlich alles niederreißen", sagte der Chef der Betreibergesellschaft ADP, Pierre Graff, der Tageszeitung "Le Parisien" vom Montag.
Ingenieure sollten klären, ob Bergung und Ursachenforschung nach der Räumung wieder aufgenommen werden könnten. Experten sollten auch Materialproben entnehmen. Das Terminal 2E des 30 Jahre alten Flughafens Roissy nördlich von Paris war für 750 Millionen Euro als Vorzeige-Bauwerk errichtet und erst im Juni vergangenen Jahres eröffnet worden.
Die Ursachenforschung kam zunächst nicht spürbar voran. "Wir haben keine Fährte", gab Graff zu. Der zuständige Ermittlungsrichter kündigte nach einem ersten Ortstermin die Einsetzung eines Expertenteams an. Der Architekt des Terminals, Paul Andreu, brach kurzfristig einen Aufenthalt in Peking ab, wo er derzeit ein großes Nationaltheater errichtet. Er sei "erschüttert", sagte Andreu. Zugleich verwies der Baumeister darauf, dass für das Unglücks-Terminal nur gängige Baumaterialien wie Beton, Stahl und Glas verwendet wurden. Die Konstruktion sei "kühn"; er verfüge jedoch über "keinen Hinweis", der eine "Vermutung über die Ursache des Unglücks" zulasse.
Gewerkschaftsvertreter machten den großen Zeitdruck beim Bau des Gebäudes für das Unglück mitverantwortlich. Außerdem wiesen sie darauf hin, dass die Betreibergesellschaft ADP rund 400 Subunternehmer eingeschaltet habe. Bei der Eröffnung hatte Air France das neue Terminal als "wichtigen Trumpf" bei der Entwicklung des Flughafens zu einer der führenden internationalen Drehscheiben des Flugverkehrs angepriesen. Vor allem sollte es für Transit-Reisende ein möglichst schnelles Umsteigen ermöglichen.
Darüber hinaus war Terminal 2E für den neuen Riesen-Airbus A380 ausgelegt. Der A380, der mit 555 Sitzplätzen in der Standardversion den 747-Jumbojet von Boeing übertrumpfen wird, ist so hoch, dass die herkömmlichen Gangways nicht ausreichen, um den Zugang zu den Flughafen-Hallen zu ermöglichen. Am Terminal 2E sollten zunächst zwei solcher Gangways ab 2006 die ersten der bereits bestellten Air-France-Großmaschinen empfangen. (apa/red)
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