Samstag, 29. Mai 2004

Privatauto als Dienstwagen gekauft: Rechnungshof kritisiert KHM-Boss Seipel

  • Hefitge Kritik von SPÖ und Grünen, Gehrer wartet ab
  • Auch Dienstreisen wurden unzureichend dokumentiert

Der Rechnungshof (RH) hat gegen den Direktor des Kunsthistorischen (KHM) Museums, Wilfried Seipel, schwere Vorwürfe erhoben. Der RH kritisierte dabei Geschäfte zwischen Seipel als Direktor des Kunsthistorischen Museums und dem Privatmann Seipel. Unterdessen gibt es auch heftige Kritik von SPÖ und Grünen, die zuständige Minsiterin Elisabeth Gehrer wartet noch ab.

So habe das KHM vom Dorotheum sechs Uschebtis (ägyptische Grabbeigaben) erworben und inventarisiert und im Anschluss zwei davon an Seipel als Privatmann verkauft, obwohl es dem Museum verboten ist, Sammlungsgut zu veräußern. Umgekehrt habe Direktor Seipel vom Privatmann Seipel dessen Mitsubishi für das Museum angekauft, ohne dass Fahrtenbücher vorgelegt noch die Betriebsnotwendigkeit nachgewiesen werden konnte.

Seipel rechtfertigt sich im ersten Fall damit, dass nur vier der Uschebtis hätten inventarisiert werden sollen, weil die zwei weiteren Doubletten seien. Zum Dienstauto meinte Seipel: "Die Direktoren vergleichbarer Institutionen haben zusätzlich noch einen Chauffeur! Bis 1998 habe ich keinen einzigen Groschen Kilometergeld verrechnet. Aber ich bin kein Mäzen des Bundes. Und mit der Ausgliederung habe ich eben auf das Dienstauto bestanden. Es ist eine mittlerweile acht Jahre alte Kutsche."

Dem Vorwurf, dass er Dienstreisen "nur unzureichend dokumentiert" habe, hält Seipel entgegen, dass er sich lediglich Flugtickets und Restaurantbesuche habe bezahlen lassen, aber nie Dienstreiserechnungen ausgestellt habe. Laut RH waren die Restaurantrechnungen allerdings zum Teil sehr hoch, die Repräsentationskosten insgesamt sogar höher als jene der für das Museum zuständigen Ministerin (Elisabeth Gehrer).

Heftige Kritik von SPÖ und Grünen, Gehrer wartet ab
"Seipel fehlt offensichtlich jegliches Unrechtsbewusstsein." So reagierte die Kultursprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, auf den Rohbericht des Rechnungshofs.

Die SPÖ bezeichnet Seipel als "schlichtweg untragbar" und fordert eine Reaktion der für Museen zuständigen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V). In deren Büro will man eine Stellungnahme Seipels abwarten, die dieser für Mitte kommender Woche angekündigt habe. (apa/red)

29.5.2004 07:30