Dienstag, 25. Mai 2004

Verhungert! Wer ist schuld am Tod der 17-Jährigen? Behörde weist Vorwürfe zurück!

  • Zeller: "Tragischer Fall, der nicht absehbar war"
  • Lißl: "Ermittlungen laufen auf Hochtouren"

Nach dem Tod jenes untergewichtigen Mädchens, dass am vergangenen Montag in den Abendstunden im Bezirk Steyr-Land in Oberösterreich tot im Bett gefunden wurde, wehren sich die zuständigen Behörden gegen den Vorwurf, man hätte nicht entsprechend reagiert. "Im nach hinein sind alle immer klüger. Die Kontrollen haben von unserer Seite in keinem Moment versagt", betonte der Bezirkshauptmann von Steyr-Land, Hans Zeller, am Mittwoch gegenüber der APA.

"Die ganze Gemeinde und auch der Bezirk ist geschockt über diesen tragischen Todesfall. Aber dieser Ausgang war nicht absehbar", betonte Zeller. Ende des Jahres 2002 sei das Jugendamt erstmals auf den Fall aufmerksam geworden, da das Mädchen plötzlich die Schule abgebrochen hatte. "Der Umgang mit der Mutter ist nicht immer ganz einfach gewesen und sie hatte mit ihrer veganen Ernährung - also völlig ohne tierische Produkte - sicher auch ihre Tochter stark beeinflusst", so Zeller.

Dies sei wahrscheinlich auch der Grund gewesen, warum "die Mutter die Termine für eine ärztliche Behandlung nur teilweise wahrgenommen hatte". Was folgte seien aber "immer wieder regelmäßige Kontakteaufnahmen" zur Familie gewesen. Die 17-Jährige war zu diesem Zeitpunkt bereits auf rund 38 Kilo abgemagert. Vor rund zwei Wochen hätte es dann einen Lokalaugenschein mit einem Pflegschaftsrichter am Wohnort gegeben. "Die 17-Jährige war bei diesem Termin in einem gesundheitlich eindeutig besseren Zustand", so Zeller. Dies hätten auch Untersuchungsergebnisse mehrerer Ärzte bestätigt.

"Trotzdem vereinbarten wir mit der Mutter, dass die 17-Jährige zu einer genauen Untersuchung im Krankenhaus Steyr stationär aufgenommen wird", betonte der Bezirkshauptmann. Entgegen früherer Versuche hätte die Mutter eingewilligt, ein Bett im Krankenhaus Steyr sei "schon reserviert gewesen", so Zeller.

"Die Ermittlungen laufen jetzt auf Hochtouren", so Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl im Gespräch mit der APA am Mittwoch. Vor allem gelte es zu klären, ob der Tod des Mädchens verhinderbar gewesen wäre. "Alle, die von der schwierigen Familiensituation wussten, sind jetzt auch Teil der Ermittlungen", betonte Lißl. Unklar sei auch noch, wer zum Todeszeitpunkt aller im Haus war. Die Mutter habe in einer ersten Einvernahme angeben, dass sie ihre Tochter "zwei Stunden bevor sie tot im Bett lag noch lebend gesehen hat". Dies sei aber auf Grund der vorliegenden Obduktionsergebnisse "nicht möglich", so Lißl.

Als Todesursache stellten die medizinischen Sachverständiger bei einer am Dienstagnachmittag durchgeführten Obduktion ein allgemeines Organversagen durch Unterernährung fest. Zudem ergab die Obduktion, dass das Mädchen bereits einige Tag tot im Bett gelegen sein muss, so Lißl. (apa)

25.5.2004 11:51