Donnerstag, 20. Mai 2004

Hoher Benzinpreis: Kärnten fordert Maßnahmen von Bundesregierung!

  • Bund soll Sprit zum Selbstkostenpreis verkaufen
  • PLUS: Such-Service - Hier gibt's relativ billigen Sprit!

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider hat am Donnerstag von der österreichischen Bundesregierung erneut Maßnahmen gegen den - wie er sagt - "Benzinpreiswucher" gefordert. Der Bund solle Treibstoffe zum Selbstkostenpreis über Betriebstankstellen verkaufen, verlangte Haider in einer Aussendung. Auch Kärntens SPÖ-Chef LHStv. Peter Ambrozy verlangt ein Eingreifen der Regierung. Ziel müsse es sein, "dass die Benzinpreise in ganz Österreich endlich auf EU-Niveau gesenkt werden".

Der Kärntner Landeshauptmann verwies darauf, dass die Mineralölfirmen wieder einmal "rechtzeitig vor dem verlängerten Wochenende" die Spritpreise angehoben hätten: "Das kann nicht mehr hingenommen werden." In Kärnten habe die erste Billig-Tankstelle des Landes seit der Eröffnung Mitte April bereits 250.000 Liter Diesel verkauft. In den kommenden Tagen werden in Hermagor sowie in Lieserhofen und Greifenburg in Oberkärnten weitere Betriebstankstellen für die Allgemeinheit geöffnet.

Haider und Ambrozy verweisen darauf, dass das hohe Preisniveau eine enorme Belastung für die vielen Berufspendler, aber auch für den Wirtschaftsstandort Österreich sei. Beide sehen schon auf Grund des hohen Euro-Kurses Potenzial für Preissenkungen. Dieser Vorteil werde jedoch nicht an die Autofahrer weitergegeben, glauben die Kärntner Politiker.

Die OMV hat von Dienstag auf Mittwoch die Richtpreise für Benzin erneut um 2 Cent je Liter angehoben. Benzin ist in Österreich so teuer wie noch nie.

Begründet wurde der Schritt damit, dass die Preise für Fertigprodukte in Rotterdam auf sehr hohem Niveau seien. Seit Jahresanfang seien dort die Preise für eine Tonne Benzin um über 40 Prozent gestiegen. Neben dem Höhenflug des Rohölpreises sei der wichtigste Grund für diese Verteuerung die nach wie vor starke Nachfrage der USA, die vor allem am europäischen Benzinmarkt vehement als Käufer auftreten.

Die amerikanischen Benzinpreise haben angesichts niedrigen US-Lagerbestände an der New Yorker Warenterminbörse Nymex (New York Mercantile Exchange) am Mittwoch einen neuen Rekordstand erreicht. Der Juni-Kontrakt legte um 6,34 Cent auf 1,4503 Dollar je Gallone (3,8 Liter) zu. Das war der höchste Preis seit Beginn des Benzinterminhandels an der Nymex im Jahr 1984.

Rohöl zur Juni-Auslieferung legte in New York um 2,4 Prozent auf 41,50 Dollar (34,6 Euro) je Barrel (rund 159 Liter) zu, nachdem der Preis am Montag das Rekordniveau von 41,55 Dollar erreicht hatte. In London kletterte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent (Juli-Kontrakt) bis zum Donnerstagmittag um 0,63 Prozent auf 38,14 US-Dollar. Der Ölpreis ist damit auf den höchsten Stand seit der Kuwait-Krise im Herbst 1990 gestiegen.

USA wollen nicht auf strategische Ölreserve zurückgreifen
US-Präsident George W. Bush lehnt unterdessen einen Rückgriff auf die Strategische Ölreserve der USA entschieden ab, obwohl die Benzinpreise im Land Rekordhöhe erreicht haben. Die Reserve diene zur Abfederung für den Fall schwerer Störungen in der Energieversorgung, sagte Bush am Mittwoch zu demokratischen Forderungen, Öl aus den Vorräten auf den Markt zu bringen. Eine Verringerung der Vorräte würde die USA im Krieg gegen den Terrorismus in eine gefährliche Lage bringen. (apa/red)

20.5.2004 14:14