Sonia Gandhi wird nicht Indien-Permier! "Ich muss den Posten in Demut ablehnen"
- Nein der Wahlsiegerin stürzte Kongresspartei in Krise
- Indiens Reformer Singh soll Amt übernehmen
·Gandhi bleibt hart: Werde nicht Premier
Indien: Parteimitglieder drohen mit Selbstmord!
·Sonia Gandhi im Kurzporträt!
Oppositionsführerin sorgt für Machtwechsel in Indien
"Der Posten des Premierministers war nicht mein Ziel. Ich folge meiner inneren Stimme, die mir heute sagt, dass ich diesen Posten ehrfürchtig ablehnen muss", mit diesen Worten enttäuscht Sonia Gandhi Millionen Inder, die ihr ihre Stimme gegeben haben. Die 57-jährige Politikerin will nicht Regierungschefin werden! Gerüchte besagen, dass Gandhis Kinder einen Mordanschlag auf ihre Mutter befürchten. Die Kongresspartei stürzte damit kurz nach der Wahl in eine Führungskrise. Gandhis Wunschkanditat, der Wirtschaftsexperten Singh, steht für das Amt des Regierungschef bereit und beendet damit das Chaos.
Bei Gandhis Rede vor dem Parlament kam es zu Tumulten: Anhänger der gebürtigen Italienerin gaben ihre Enttäuschung lautstark kund; die Parteichefin musste ihre Ansprache, die von mehreren internationalen TV-Sendern live übertragen wurde, zeitweise unterbrechen.
Führungskrise in Kongresspartei
Der Fernsehsender NDTV berichtet, die 57-Jährige hat den Wirtschaftsexperten und Architekten der Wirtschaftsreformen Indiens, Manmohan Singh, gedrängt, den Posten des Premierministers zu übernehmen. Hochrangige Parteivertreter hatten von "sehr schwierigen" Versuchen gesprochen, Frau Gandhi umzustimmen. Die Führungskrise in der Kongresspartei wurde erst gelöst, als der nächste Regierungschef feststehe. Ein Kongresspartei-Sprecher hatte zuvor Fernsehberichte dementiert, wonach Gandhi ihre Kandidatur für den Regierungsposten zurückgezogen habe.
Kinder der Wahlsiegerin befürchten offenbar Mordanschlag
Die Gründe für Gandhis Rückzug sind aber immer noch unklar. Nach Informationen aus Kreisen ihrer Partei hat die in Italien geborene indische Staatsbürgerin Gandhi angesichts des Widerstands aus der Opposition wegen ihrer ausländischen Herkunft Bedenken gegen eine Übernahme des Amtes gehabt. Somnath Chatterjeee von der Kommunistischen Partei Indiens-Marxisten sagte, offenbar seien Gandhis Kinder Rahul und Priyanka dagegen, dass ihre Mutter Premierministerin werde. Sie fürchteten um die Sicherheit der 57-Jährigen. Sonia Gandhis Schwiegermutter Indira und ihr Ehemann Rajiv waren beide in ihrer Funktion als Premierminister ermordet worden.
Gandhi hätte schon am Mittwoch vereidigt werden sollen
Nach Angaben aus Kreisen der künftigen Regierungskoalition hätte Gandhi eigentlich schon am Mittwoch vereidigt werden sollen. Treffen des Mehrheitsführers im Parlament mit dem Präsidenten enden nach einer Wahl in Indien für gewöhnlich damit, dass der- oder diejenige mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Ihre Koalition hat im Parlament nicht die absolute Mehrheit, kann aber auf die Unterstützung von zwei kommunistischen Parteien zählen.
Unsicherheit führte zu Börsen-Crash in Indien
Die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Regierung hatte am Montag zum größten Verlust in der Geschichte der indischen Börse geführt. Am Dienstag erholte sich der Aktienmarkt aber wieder. Der Leitindex Sensex der Börse in Bombay stieg zur Eröffnung um 5 Prozent auf 4.722 Zähler, der Nifty-Index der Nationalen Börse legte 5,6 Prozent auf 1.466 Punkte zu. Beide waren am Vortag um 15,5 Prozent beziehungsweise 17,5 Prozent abgerutscht. Grund für die Verluste waren Sorgen der Anleger, die neue Regierung könnte die Privatisierung von Staatsbetrieben stoppen und Reformen rückgängig machen, um eine Regierungsbeteiligung der Kommunisten zu erreichen. (apa/red)
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