Dienstag, 18. Mai 2004

Royales Hochzeitsfieber: Die Märchen-Hochzeiten in Dänemark und Spanien

  • Dänemark: Die schönsten Bilder der Traumhochzeit.
  • Wie Spanien für die Hochzeit des Jahres rüstet.

Frederik & Mary: Siebentagessause, blaublütige Besuche aus ganz Europa und üppig fremdgesponsertes Jawort. Wie die fröhlichen Dänen ihre Prinzenhochzeit zelebrierten.
Felipe & Letizia: Die Details zum Staatsgroßereignis am 22. 5., das TV-Königsquoten auslösen wird. ORF 1 überträgt ab 9.30 Uhr. Und: Welche Königskinder als Nächste heiraten könnten.

Vielleicht befinden sich die europäischen Herrscherhäuser ja tatsächlich in derart bedrängenden Umständen, dass sie auf brachiales Marketing jenseits aller Stilfragen angewiesen sind. Während indes die Briten seit längerem Perversitäten aller Art vertrauen, scheint der spanische Thronfolger Felipe de Borbon y Grecia, 36, das Reklamegeschäft eher in Disneyworld studiert zu haben.

Wenn sich der Prinz am 22. Mai in der Almudena-Kathedrale zu Madrid mit der ehemaligen Fernsehjournalistin Letizia Ortiz Rocasolano, 31, vermählt, feiert die Welt mit:

  • 1.400 Gäste, unter ihnen Vertreter von 40 Monarchien, sind zum Fest gebeten.

  • 5.600 Journalisten, unter ihnen 600 Fernsehteams, werden berichten. Für Wohnungen mit Kamerablick werden satte 60.000 Euro Miete erhoben.

  • Nahe dem Palast hat ein Devotionalienladen geöffnet. Vom Dauerlutscher um 3,50 Euro bis zur Briefmarke in der limitierten Auflage von 525.000 gibt es vielerlei Unnützes.

  • Die Metropole wird nach dem Terroranschlag vom 11. März zum Hochsicherheitstrakt: 19.000 Sicherheitskräfte, unter ihnen 14.500 Polizisten und 3.200 Angehörige der Guardia Civil, sind aktiv. Von 21. Mai um 18.00 Uhr bis 22. Mai um 20.00 Uhr wird der Luftraum über Madrid teilweise gesperrt und von F-18-Kampffliegern, einem Awacs-Radarflugzeug der NATO und Radaranlagen auf dem Boden überwacht. Ausnahmen wurden nur für Hubschraubereinsätze und Filmteams gemacht. Unbekannte Flugobjekte dürfen abgeschossen werden.

  • Dafür sind 21 Millionen Euro veranschlagt. Und das ist noch die sparsame Variante: Aus Respekt vor den Terroropfern verzichtet man auf den Polterabend.

    Sparsame Dänen. Doch auch so liegt man eine Million vor den Dänen, die am vergangenen Freitag (14. Mai) die Eheschließung ihres Prinzen Frederik, 35, mit der australischen Werbefachfrau Mary Donaldson, 32, begingen. Sieben Tage lang feierte das Volk die „Emma-Peel-Kopie“ (deutsche Medien, die sich an Diana Rigg in der TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ erinnert fühlten), Tochter eines Mathematikers aus Tasmanien.

    Europas Hochadel zückte im Dom zu Kopenhagen geschlossen die Taschentücher: Harald, Sonja, Haakon & Mette-Marit von Norwegen; Karl Habsburg; Caroline & Albert von Monaco; Edward & Sophie Rhys-Jones von Britannien; Silvia, Carl Gustav, Victoria & Madeleine von Schweden; Beatrix, Willem-Alexander & Máxima von Holland; Sofia, Felipe & Letizia aus Spanien, die als Nächste heiraten. Um den dänischen Steuerzahler nicht übermäßig zu belasten, ließ der Hof sponsern: Limousinen und den Privatjet, womit Frederik und Mary in die Flitterwochen ins afrikanische Tansania entschwebten, stellten Konzerne.

    Die Umfrage-Königin. Überlassen wir die heißblütigen Dänen ihrer Freude und wenden uns wieder ins skeptische Spanien. Dort ließ die Tageszeitung „El Mundo“ vorsichtshalber demoskopisch die Beliebtheit der künftigen Monarchin erheben. Die Gekrönten dürfen aufatmen: Zwei Drittel der Bevölkerung halten die Tochter einer Krankenschwester und eines Radiojournalisten für die „perfekte Königin“.

    „Felipe heiratet das spanische Volk“, jubelte man selbst in linken Kreisen. Mit der Heirat folgt der Prinz von Asturien dem Trend der europäischen Herrscherhäuser zur Mesalliance: Willem-Alexander von Holland ehelichte die argentinische Investmentbankerin Máxima de Zorreguita, Kronprinz Haakon von Norwegen freut sich am Party-Girl Mette-Marit Höiby.

    Asturierin bevorzugt. So wuchs auch Doña Letizia in kleinbürgerlichen Verhältnissen als älteste von drei Töchtern in Sardeu, Asturien, auf. „Erstaunlicherweise demselben Ort wie die adelige Isabel Sartorius“, meldet aufgeregt das spanische Internetmagazin „diezminutos“. Diese Dame gab vor zehn Jahren die kronprinzliche Gefährtin und galt als potenzielle Anwärterin für das höchste Nicht-Amt im Staat. Die Eheschließung kam für das Königshaus damals indes nicht infrage: Die Eltern der Braut waren geschieden, der Adel der Braut war nicht erheblich genug, und in ihrem Leben soll es die eine oder andere Affäre gegeben haben.

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    18.5.2004 16:24