Dienstag, 18. Mai 2004

Kommt der Klima-Gau?

  • Wetterexperten warnen: Durch die globale Erwärmung könnte das Klima der Erde kippen.
  • CO2-Emissionen: Die USA sind der Hauptverursacher

Die Folgen für Europa: Arktische Temperaturen, Gletscherschmelzen, Versteppung und verheerende Hochwasser.
Brisanter Pentagon-Bericht: Die Wetterapokalypse wird atomare Kriege und eine Völkerwanderung mit sich bringen.

Die Apokalypse hat uns eingeholt: In Großbritannien herrschen Temperaturen von minus 120 Grad Celsius, in Japan fallen fußballgroße Hagelstücke vom Himmel, Los Angeles wird von einem Tornado ausgelöscht und New York City überflutet, um dann kurz darauf unter einer Eisdecke zu erstarren. Diese klimatologischen Worst-Case-Szenarien entstammen Petrus sei Dank nur dem Drehbuch des prognostizierten Kinohits des kommenden Sommers: „The Day After Tomorrow“.

Während der Katastrophenexperte Roland Emmerich in „Independence Day“ noch Außerirdische auf die Welt losließ, ist der Gegner seines neuesten Streifens von weitaus größerem Format: Denn kein Geringerer als die Natur selbst lässt nach dem plötzlichen Kippen des Erdklimas sämtliche Elemente aus dem Ruder laufen und die Menschheit an den Rand der Vernichtung treiben.

Szenario mit Real-Hintergrund. Eine Horrorvision à la Hollywood, die zugleich aber auch über einen wahren Kern verfügt. Denn Fakt ist: Die Klimaerwärmung steht nicht erst vor unserer Haustür – wir sind bereits mitten- drin. „Der Film hat einen durchaus realistischen Hintergrund, nämlich den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt, der unser Weltklima langsam, aber sicher zum Kippen bringt“, bestätigt Meinhard Schulz-Baldes, deutscher Meeresbiologe und Experte für Umweltveränderungen.

Und betrachtet man die Fakten, so scheinen die filmischen Visionen wahrlich nicht mehr in weiter Ferne. Denn allein in den letzten 100 Jahren hat sich die Durchschnittstemperatur der Erde um 0,6 Grad erhöht – wobei der steilste Anstieg in den vergangenen 30 Jahren gemessen wurde. Österreich hat sogar ein beachtliches Plus von 1,6 Grad zu verzeichnen. Im Jahr 2100 schließlich wird sich die Temperatur, so sind sich die Fachleute mittlerweile einig, in manchen Regionen des Planeten um 5,6 Grad erhöht haben – womit der größte Klimawechsel seit 10.000 Jahren eingeleitet wäre.

Erwärmungsfolge: Öko-Kollaps. Doch bereits jetzt sind die Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung spür- und sichtbar: Innerhalb der letzten 100 Jahre ist der Meeresspiegel als Folge der höheren Temperaturen um bis zu 25 Zentimeter gestiegen. Durch die weltweite Erwärmung hat außerdem die Verdunstung über dem Meer zugenommen – womit Starkregenphasen und mit ihnen Hochwasserkatastrophen verstärkt aufgetreten sind.

Auch die Gletscherregionen sind betroffen: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben die weißen Riesen durch die Verschiebung der Null-Grad-Grenze ein Drittel ihrer Fläche und mehr als die Hälfte ihres Volumens verloren. Weiters hat sich die Dauer der jährlichen Schneedecke wesentlich verkürzt – mit verheerenden Folgen für Ökologie, Tourismus und Landwirtschaft.

Erwin Mayer von Greenpeace Österreich: „Ein Vorgeschmack dessen, was noch auf uns zukommt. Denn wir sind gerade dabei, einen äußerst schmalen Grat zu überschreiten. Und wenn wir nicht schnell handeln, wird es schon bald so weit sein, dass das Klima ganz kippt.“

Studie: Gefährlicher als Terror. Und wie diese Folgen aussehen könnten, zeigt eine brisante Studie des US-Verteidigungsministeriums. Der Bericht des Pentagons kommt darin zu dem Ergebnis, dass die Folgen eines Klimawandels schwerwiegender einzustufen sind als die Gefahren des Terrorismus. Denn im Zuge der fortschreitenden Temperaturen würde es zu einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels und somit der Zunahme von Wetterextremen kommen. Vorgänge, die die Welt dem Pentagon zufolge innerhalb der nächsten 20 Jahre an den Rand der Anarchie bringen könnten, da betroffene Staaten um ihre schwindenden Nahrungs-, Wasser- und Energiereserven Krieg führen würden – möglicherweise auch mit atomaren Waffen.

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PLUS: „Die Gletscher werden bald weg sein!“
PLUS: „The Day After Tomorrow“ – Kinohit mit realem Kern

18.5.2004 15:17