Tratschen ohne schlechtem Gewissen: Telefonieren im Festnetz kostet bald 0 Cent!
- Telekom Austria bringt neue Tarife für's Festnetz
- UTA-Kritik: Grundgebühr sei teurer geworden
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Endlich darf man wieder ohne schlechtem Gewissen so richtig ausgiebig am Telefon tratschen: Die Telekom Austria senkt teilweise ihre Festnetz-Tarife. Eine Minute telefonieren im Lokalnetz wird abends und am Wochenende 1,35 statt 2 Cent kosten. Gegen einen Fixpreis von 3,6 Euro im Monat kann man abends und am Wochenende um Null Cent telefonieren. Auch einige Auslands- und Geschäftstarife werden gesenkt. Kritik kommt von der UTA: Die Telekom hätte die Grundgebühr erhöht.
Die rund eine Million TikTak-Kunden der Telekom Austria (TA) werden mit 22. Juli 2004 automatisch auf einen neuen Tarif umgestellt. Dieser TikTak Neu soll den Kunden deutliche Verbilligungen bringen und die Mobilfunknutzer wieder zurück ins Festnetz holen. Der Standardtarif bleibt von den Änderungen unberührt. "Mit den neuen Tarifen sind wir erstmals Preisbrecher im Festnetz", so Festnetz-Chef Rudolf Fischer am Freitag vor Journalisten. Eine Neuanmeldung oder eine vorzeitige Ummeldung vor dem 22. Juli für TikTak Neu sei ab sofort möglich.
1,35 statt 2 Cent
Beim Massentarif TikTak Privat Neu kostet Telefonieren am Abend und am Wochenende in der Lokalzone künftig 1,35 statt 2 Cent. Ein Anruf in der Inlandszone kostet unter Tags 5,90 statt 6,70 Cent. Verändert haben sich die Zuteilungen der einzelnen Staaten zu den verschiedenen Auslandszonen. Unverändert blieben die Preise für Inlandstelefonate zu Mobiltelefonen und die Grundgebühren. Die "Goodies" wie Gratisminuten und günstigere Tarife zu ausgewählten Telefonfreunden sind künftig nicht mehr in der Grundgebühr inkludiert und müssen zugekauft werden. Insgesamt aber zeigen die Durchrechnungen von Telekom Austria, dass erhebliche Kostenvorteile für die Kunden entstehen, die bei den Vielnutzern eine Senkung der Verbindungskosten um bis zu 30% ausmachen können.
Obwohl Fischer die TA nun als "Preisbrecher" sieht, stellte er auch klar: "Wir werden den Preiskampf nie gewinnen können."
UTA-Kritik: Grundgebühr teurer
"Nach der Abschaffung des Minimumtarifs kommt es abermals zu einer massiven Mehrbelastung für alle Telefonie-Kunden", so UTA-Sprecher Martin Halama. Er bezeichnete die Genehmigung des Tarifs durch die Telekom-Regulierungsbehörde RTR als "unverständlich", die Begründung im Bescheid werde man "einer genauen Prüfung unterziehen", betonte Halama.
Bald auch billiger ins Internet
Fischer versprach, dass es Überlegungen gebe, in der zweiten Jahreshälfte 2004 einen günstigere Grundgebühr für Internetnutzer anzubieten. Hintergrund: Wer Breitband-Internet via ADSL nutzt, braucht einen Telefonanschluss. Wie viele Österreicher zwar die Grundgebühr bezahlen, aber nicht über die Telekom telefonieren, wollte die TA nicht verraten. Nur soviel: 820.000 Telekom-Kunden nutzen Carrier Pre-Selection, telefonieren also automatisch über einen Alternativen Anbieter wie UTA oder Tele2.
Neue Tarifschema soll Vereinfachung bringen
Laut Telekom soll das neue Tarifschema auch eine Vereinfachung bringen. Bei drei verschiedenen Tarifmodellen und mehr als zehn verschiedenen
"Bonuspaketen" kann der Kunde aber schon mal den Überblick verlieren. Wer sich für TikTak Privat Neu entscheidet, kann beispielsweise zwischen 13 Paketen wählen. So gibt es etwa ein Paket für 100 Freiminuten monatlich um 2 Euro, 500 Freiminuten kosten 8 Euro und für Sondertarifen zu Freunden muss der Kunde in Zukunft pro Monat mindestens 70 Cent zahlen.
Mobilkom Austria wird durch neue Tarife nicht geschwächt
Eine Schwächung der 100-Prozent-Tochter Mobilkom Austria sieht Fischer durch die neuen Tarife nicht. Und er fürchtet auch nicht, dass die Telekom auf Grund der günstigeren Tarife nun weniger in die Festnetzinfrastruktur investieren könne. Früher hatte er jedoch immer betont, dass Tarife wie sie etwa Mitbewerber Tele2 anbietet, Investitionen in die Infrastruktur unmöglich machen würden. Fischer erwartet sich auch keinen Umsatzrückgang, die niedrigeren Tarife würden zu mehr Kunden führen. Derzeit hat die TA nach Eigenangaben bei Telefonie und Internet einen Marktanteil von 54 Prozent.
Personalabbau bei der Telekom Austria
Zufrieden zeige sich Fischer mit dem Personalabbau der vergangenen Jahre, den man Ende 2003 mit dem Ausscheiden von 5.000 Mitarbeitern nahezu abgeschlossen habe. Heuer sollen noch 200 bis 300 Mitarbeiter im Festnetzbereich gehen müssen. Wenig zufrieden gab er sich einmal mehr mit der Telekom-Regulierung in Österreich. Er wäre "glücklich", wenn die Regulierungsbehörde abgeschafft würde, so Fischer. Die Telekom-Regulierung war indirekt Auslöser für die neuen Tarife, nachdem der TA ihre alte Tarifstruktur auf Grund eines Kartellgerichtsentscheids ändern musste. Das Kartellgericht hatte eine Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung gesehen, die TA hat gegen das Urteil beim Obersten Gerichtshofs (OGH) Berufung eingelegt, das Verfahren läuft noch. (apa/red)
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