Mittwoch, 19. Mai 2004

Red-Bull Schöpfer Mateschitz ist 60: Österreichs erster Dollar-Milliardär!

  • Mateschitz setzte vor 20 Jahren zum Höhenflug an
  • Steirer mit Faible für Fliegen, Motorsport und Architektur

Der Red-Bull Schöpfer und Österreichs erster Dollar-Milliardär feierte am 20. Mai seinen 60. Geburtstag. "Ich gehe nicht auf einen Gipfel, um oben zu stehen, sondern um hinaufzugehen. Oben ist ja das Ende." Auch wenn es Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz im Vorjahr als erster Österreicher geschafft hat, auf der Liste der "Superreichen" des US-Magazins "Forbes" zu stehen, blickt er weiter nach oben und vorne. Sein Faible für das Fliegen ist für ihn ebenso charakteristisch wie sein Engagement im Motorsport oder sein Hang zu futuristischer Architektur.

Mateschitz bekam durch den Energydrink Red Bull quasi Flügel verliehen - im Form von rund einer Milliarde Dollar (828 Mio. Euro) geschätztes Vermögen. Dabei war Geld für ihn nie die hauptsächliche Motivation, wie er selbst sagt. Seine Triebfeder seien immer Freiheit und Unabhängigkeit sowie die Freude an seinen Projekten gewesen. 1987 startete er mit dem belebenden Getränk, das er an der Bar des Mandarin Oriental Hotels in Hongkong als "Lipovitan" kennen gelernt hatte und auf dem österreichischen Markt einführte. Der Höhenflug begann Ende der neunziger Jahre mit der Expansion in weitere europäische Länder. Im Vorjahr wurden weltweit in mehr als 70 Ländern rund 1,5 Milliarden silbrig-blaue Dosen verkauft, um 220 Mio. Dosen mehr als 2002. Der Umsatz betrug 1,261 Mrd. Euro, rund um den Globus waren Ende des Vorjahres 1.787 Mitarbeiter beschäftigt. So viel zum Zahlenwerk des Imperiums.

Schlechter Schüler und Langzeit-Student
Der am 20. Mai 1944 geborene Steirer wuchs weitgehend vaterlos in St. Marein im Mürztal auf. Der schlechte Schüler schaffte schließlich doch die Matura und brauchte anschließend zehn Jahre für sein Wirtschafts-Studium in Wien. Danach verdingte er sich als Marketingfachmann bei verschiedenen Unternehmen, zuletzt bei "Blendax" in Deutschland. Auf Geschäftsreisen lernte er in Asien den damals in Europa noch kaum bekannten Markt von Energie- und Aufputschgetränken kennen.

Red Bull verleiht Flügel
1983 erwarb er die Lizenz für ein derartiges Getränk, machte sich selbstständig und gründete 1984 die Red Bull GmbH in Fuschl in Salzburg. Nach dreijähriger Wartezeit auf die lebensmittelrechtliche Zulassung des Energydrinks erfolgte 1987 die Markteinführung. "Wäre es schief gegangen, kein Hahn hätte nach mir gekräht." Hans Kastner, ein Freund und Werbeprofi, tüftelte am Marketing. Zwei Jahre vergeblich: "Nix hat gepasst." Bis eines Nachts das Telefon klingelte: "Didi, ich hab's." Red Bull verleiht Flügel - der legendäre Spruch war geboren.

Sportleidenschaft
Der passionierte Jeansträger und erklärte Ehegegner hat einen zwölfjährigen Sohn aus einer früheren Beziehung. Seine persönlichen Leidenschaften - darunter schnelle Autos, Flugzeuge - finden auch im Marketing des Unternehmens ihren Niederschlag. Von Anfang an setzte Red Bull auf Sportsponsoring, bevorzugt Langzeitpartnerschaften mit Einzelsportlern - auch aus den verwegensten Extremsport-, Stunt- und Abenteuerbereichen, die das Life-Style-Image des angeblich Flügel-verleihenden Dosengetränks perfekt transportieren. Weltweit sponsert Red Bull derzeit rund 500 Sportler.

Formel 1, World Stunt Award und Red-Bull-Flugtage
Red Bull war lange Mehrheitseigentümer des Schweizerischen Formel-1-Teams Sauber, betreibt derzeit mehrere Motorsport-Nachwuchsteams und bereitet in den USA ein All-American-Racing-Team vor. Legendär sind längst die Red-Bull-Flugtage und Seifenkistenrennen aber auch der "Taurus World Stunt Award". Im Vorjahr übernahm Red Bull den früheren A1-Ring im steirischen Spielberg, wo Mateschitz mit Finanzpartnern wie EADS, Magna oder Audi dreistellige Millionen-Investitionen plant.

Kein Wunder, dass nun auch die Kulturwelt auf den "roten Bullen" hofft: Bei der "Peer Gynt"-Inszenierung der Salzburger Festspiele regnete es im Vorjahr schon mal Tausende Getränkedosen auf die Bühne, und die Eröffnung seines Hangar-7 am Salzburger Flughafen wurde mit der Aufführung von Karlheinz Stockhausens "Helikopter-Streichquartett" gefeiert.

Anhänger einer Drei-Tage-Arbeitswoche
Auch wenn der Anhänger einer Drei-Tage-Arbeitswoche mit seinen Events und Projekten immer wieder die Seitenblicke-Prominenz um sich schart, ist das dem medienscheuen Milliardär zu wenig: "Wenn ich Dauergast bei den Seitenblicken bin, hab' ich meinen Entmündigungsantrag unterschrieben." (apa/red)

19.5.2004 14:47